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Untersuchungen zum Urslavischen: Einleitende Kapitel, Lautlehre, Morphematik

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Georg Holzer

Gegenstand dieses Buches ist das um ca. 600 n. Chr. gesprochene Urslavische. Nach der historischen und geographischen Einordnung und der Bestimmung der soziolinguistischen Funktion dieser Sprache behandelt das Buch theoretisch und empirisch die Frage ihrer Einheitlichkeit. Es folgt die hauptsächlich auf die Lehnbeziehungen des mittelalterlichen Slavischen gestützte Rekonstruktion der Phonetik des Urslavischen und der Lautung und Akzentuierung urslavischer Wörter. Danach werden Bereiche der Morphologie des Urslavischen, insbesondere der Wortbildung, detailliert behandelt, wobei im Wesentlichen auf die Methoden der „generativen Phonologie" zurückgegriffen wird. Auch da wird die urslavische Akzentologie konsequent mitberücksichtigt.

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I. Die Notationen urslavischer Lautungen. Alphabetische Reihenfolge der Buchstaben

I. DIE NOTATIONEN URSLAVISCHER LAUTUNGEN. ALPHABETISCHE REIHENFOLGE DER BUCHSTABEN

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In diesem Buch kommen drei Arten der Notation urslavischer Lautungen zur Anwendung, und von einer vierten wird zumindest die Rede sein. Zum Beispiel kann das urslavische Wort, aus dem sich das altbulgarische Wort sъdravъ ‘gesund’ entwickelt hat, auf folgende Weisen angeschrieben werden: (1) «sъdorvъ»; (2) *sudar˙wu; (3) °su|èé˙|derw|à|u; (4) */sudar˙wu/. Dazu nun im Einzelnen:

(1) Bei Notationen wie «sъdorvъ» handelt es sich um die traditionelle Art, urslavische Wörter anzuschreiben. Sie resultiert aus der irrigen Neigung, alles in den slavischen Sprachen und Dialekten Gleiche, also alles Gesamtslavische, als vorurslavisches oder spätestens urslavisches Erbe zu betrachten, und aus der unausgesprochenen Annahme, dass eine gesamtslavische lautliche Innovation x > y grundsätzlich als vorurslavische Innovation und y als urslavisch zu betrachten seien, obwohl es dafür keinen Grund gibt, weil Innovationen grundsätzlich auch von (schon) verschiedenen Sprachen bzw. Dialekten gemeinsam vollzogen werden können und somit eine solche gesamtslavische Innovation x > y sehr gut auch eine nachurslavische Neuerung und x die urslavische Lautung gewesen sein konnten1. Die traditionellen Notationen entsprechen daher oft nicht der tatsächlichen urslavischen Aussprache. Der von der traditionellen Notation dargestellte Lautstand hätte allenfalls einem fiktiven slavischen Dialekt des späten 9. nachchristlichen Jahrhunderts angehören können – einem fiktiven wohlgemerkt, denn in den realen wurde eine Lautfolge -dorv- nie so gesprochen, zum Beispiel weil, wie schon Jouko Lindstedt festgestellt hat, die tschechisch-slovakisch-südslavische und eindeutig nachurslavische Liquidametathese vor dem Wandel a > o erfolgte2. In...

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