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Neue Lesarten ausgesuchter Texte der Kinder- und Jugendliteratur

Literaturwissenschaftliche Erkundungen von der Biene Maja bis hin zu Tschick

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Edited By Anke Christensen and Olaf Koch

Dieser Sammelband widmet sich neuen Lesarten der Kinder- und Jugendliteratur. Dabei werden zum einen Werke der Weltliteratur behandelt, die als klassisch zu bezeichnen sind und unter neuen Fragestellungen betrachtet werden. Andere Aufsätze sollen wiederum als Baustein dienen, ein Forschungsdesiderat zu schließen. Beispielsweise erweist sich Kinder- und Jugendliteraturforschung überwiegend als Prosaforschung, so dass eine Betrachtung des Dramas „Ehrensache" einen Beitrag dazu leistet, auch Jugenddramatik als Forschungsgegenstand zu etablieren. Das kinderliterarische Werk Almut Hoppes ist bislang kaum beforscht. Ebenso haben die Kinderbücher um den „kleinen Nick" oder Andreas Steinhöfels „Es ist ein Elch entsprungen" bisher kaum Beachtung in der Kinder- und Jugendliteraturforschung gefunden.

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Keine Identität ohne den wahren Namen. Michael Ende: Die unendliche Geschichte (1979)

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U- und E-Literatur

Die Kinder- und Jugendliteratur ist lange Zeit ein Bereich gewesen, der von der Literaturwissenschaft und auch von der Literaturkritik regelrecht und bewusst vernachlässigt wurde und als U, Unterhaltungsliteratur, und nicht als E, ernste Literatur, galt. Das ist etwas, worunter Michael Ende auch zeitlebens sehr gelitten hat und worüber er sogar recht verbittert war; denn er galt, wie er selbst immer sagte, den meisten Menschen als der „Märchenonkel“, als genuiner „Kinderautor“:

Ich bin ein Primitiver und stamme aus einem zentraleuropäischen Reservat […]: Das Reservat, aus dem ich stamme, heißt: Kinderliteratur. Es gehört zu jenen Reservaten, die von den Bewohnern der Zivilisationswüste mit mildem Lächeln geduldet, von einigen Good-doer-Vereinen sogar gehätschelt, im Grunde aber von allen verachtet werden – wie übrigens das meiste, was mit Kindern zu tun hat.1

Michael Ende schrieb nicht primär für Kinder, sondern stets für das Kind im Menschen; weshalb er sich auch zeitlebens dafür aussprach, nicht zwischen Erwachsener- und Jugendliteratur zu unterscheiden.

„Ich schreibe überhaupt nicht für Kinder. So wenig wie Marc Chagall für Kinder malt, obwohl seine Malerei oft ‚kindlich‘ aussieht. Ich schreibe für ‚das Kind in uns allen‘, das schöpferisch ist und fähig Schicksal zu erleben – wofür sonst lohnte es sich zu schreiben? Und worüber sonst?“2

Diese Trennung führte sogar so weit, dass einer der ehemals berühmtesten Literaturkritiker deutschsprachiger...

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