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Pikareske Ökonomie – Grimmelshausens «Der seltzame Springinsfeld» im diskursiven Kontext des 17. Jahrhunderts

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Malte Kleinjung

Am Beispiel von Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld entfaltet diese Studie die These, dass Schelmenromane ein Drittes der Ökonomie zur Darstellung bringen können, das neben der Haushaltsführung und dem Marktgeschehen keinen Platz im gelehrten Diskurs hat. Allerdings hängt dieses Dritte mit Kontexten zusammen, die in der historischen Rückschau nicht unbedingt auf Anhieb als ökonomisch erscheinen. Um diese Kontexte in den Blick zu bekommen, stützt sich die Studie auf eine kritische Adaptation des sogenannten New Historicism. Dabei zeigt sich, dass in Grimmelshausens Roman nicht nur einschlägige Wissenselemente zu einem buntscheckigen Tableau zusammengefügt sind, sondern darüber hinaus das Erzählen und Schreiben selbst ökonomisiert wird.

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4. Körper und Verschachtelungen

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Wie Geschlechterverhältnisse verfasst sind, hängt unmittelbar von den Vorstellungen ab, die man sich von Körpern macht. In Ergänzung zum vorangegangen Kapitel befassen sich die folgenden Ausführungen mit der Darstellung des weiblichen Körpers im Roman. Die Analyse setzt dazu noch einmal bei der Begegnung zwischen der Leyrerin und Jacob an. Im Hinblick auf das äußere Erscheinungsbild der Leyrerin ist der als Erzähler firmierende Wirt auffällig wortkarg. Diese Einsilbigkeit hat zur Folge, dass der Eindruck, den man von ihrem Körper bekommt, sehr vage ist. Auch die Informationen, die Springinsfeld über sie beisteuert, änderen daran wenig. Zwar wird ihr Körper am Ende durch Gewalt sichtbar gemacht und geöffnet, jedoch entsteht in diesem Moment erneut eine Leerstelle. Es ist allerdings nicht mehr ein Körper, sondern Geld, das sich dem Zugriff entzieht (4.1). Diese Dynamik des Entzugs schlägt sich darüber hinaus in der Weise in der Struktur des Textes nieder, dass mehrere Erzählebenen ineinander verschachtelt werden, wobei jedoch die letzte ‚Schachtel‘ opak bleibt (4.2). Schließlich ist auch der Körper der Courage, der zweiten prominenten weiblichen Figur des Romans in den Blick zu nehmen. Die Ökonomie der Säfte, die dem zeitgenössischen medizinischen Verständnis zufolge den Körper regiert, wird in ihrem Fall nach außen gekehrt – in Form einer florierenden Geld- und Güter-Wirtschaft (4.3).

Betrachtet man die Begegnung zwischen der Leyrerin und Jacob unter dem Gesichtspunkt der Körperlichkeit, besagt die erste...

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