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Strafzumessung bei Mord

Eine empirische Untersuchung zur Rechtsfolgenentscheidung bei Verurteilungen wegen vollendeten Mordes nach allgemeinem Strafrecht in den Jahren 2013 und 2014

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Johanna Kunze

Dieses Buch untersucht die Rechtsfolgenentscheidung bei vollendetem Mord nach allgemeinem Strafrecht. Gegenstand der Untersuchung ist eine empirische, deskriptive Untersuchung bezüglich der Rechtsfolgenzumessung bei Verurteilungen wegen vollendeten Mordes nach dem allgemeinen Strafrecht. Ziel war es, die rechtlichen und – soweit ermittelbar – außerrechtlichen Einflussfaktoren zu ermitteln, die ein Abweichen von der absolut und exklusiv angedrohten lebenslangen Freiheitsstrafe ermöglichen, weil sie entweder die Strafe schärfen und die besondere Schwere der Schuld festgestellt wird oder umgekehrt die Strafe mildern und eine nur zeitige Freiheitsstrafe verhängt wird.

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4. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

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Die Untersuchung zur Rechtsfolgenentscheidung bei Mord zeigt, dass die lebenslange Freiheitsstrafe bei Mord entweder gemildert oder verschärft werden kann.

Die zugrundeliegende Strafzumessungsforschung knüpft an die aktuelle Diskussion über die Reform der Tötungsdelikte an. Es konnten Erkenntnisse darüber gewonnen werden, in welchen Fallkonstellation mit welcher Häufigkeit von der zwingend angedrohten lebenslangen Freiheitsstrafe bei Mord abgesehen wurde und die Strafe von den erkennenden Gerichten nach § 49 Abs. 1 StGB gemildert oder nach § 57a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 StGB mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verschärft wurde.

Bei der Verurteilung wegen vollendeten Mordes nach allgemeinem Strafrecht gibt es grundsätzlich keine Strafzumessung, weil der Gesetzgeber für Mord nur eine einzige Strafe nennt: die lebenslange Freiheitsstrafe. Das Bundesverfassungsgericht1299 forderte und mahnte 1977 stetigen Fortschritt von „roheren zu humaneren, von einfacheren zu differenzierteren Formen des Strafens“1300 an. Es ist schon mehr als vier Jahrzehnte her, dass im Hinblick auf die Verurteilung wegen Mordes für eine schulddifferenzierte Strafe plädiert wurde.

Die lebenslange Freiheitsstrafe ist absolut und zwingend. Weder besondere Umstände der Tat noch der Täterpersönlichkeit können bei der Festlegung der Strafe berücksichtigt werden.

Der Exklusivitäts-Absolutheits-Mechanismus bei Mord ist der rechtshistorischen Gesetzesübernahme von 1949 geschuldet. Die Fassung des Mordtatbestandes von 1941 bestrafte nach der sogenannten Tätertypenlehre. Demnach stand die Person des Täters im Fokus der Strafe. Der Mörder sollte wegen der Vernichtung des absolut gesch...

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