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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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5.3.3 Holzschnitte: Weibliche Anatomie und Kindeslagen

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Eine mit dem Buchdruck einhergehende Revolution im Medienalltag des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit stellte die Druckgraphik dar. Der ‚Rosengarten‘ zeichnet sich nicht nur durch den deutschsprachigen Druck und die explizite Adressierung an Hebammen aus, er gibt auch ein Beispiel für die häufige Verschränkung von Druck und Druckgraphik. Vor allem im ersten Drittel des Lehrbuchs befinden sich mehrere Holzschnitte: Neben dem Titel-und Widmungsholzschnitt führt die Erstausgabe von 1513 die Abbildung einer Schwangeren auf einem Gebärstuhl, unterstützt von einer Hebamme und einer weiteren Frau, an. Diesem Gebärstuhl wird zusätzlich ein eigener Holzschnitt gewidmet. Den Hauptteil der Druckgrafiken machen allerdings die insgesamt 19 Kindeslagenabbildungen aus, wobei die zwei bevorzugten fetalen Positionen doppelt abgedruckt wurden.389 Die drei großen ganzseitigen

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Abb. 9: Bayerische Staatsbibliothek München, Rar. 1511: Image 33, fol. 14r.

Holzschnitte werden dem Künstler Martin Caldenbach zugesprochen390, sein Monogramm ‚MC‘ befindet sich gut sichtbar am linken unteren Rand des Widmungsholzschnitts. Die Kindeslagenabbildungen und der Gebärstuhl sollen von Erhard Schön391 angefertigt worden sein.392

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Die Zuschreibung der Holzschnitte an die beiden Maler gilt dabei nicht für alle analysierten Ausgaben des ‚Rosengartens‘: Die Lehrbücher enthalten, abhängig vom jeweiligen Drucker, verschiedene Titelholzschnitte, aber auch die Abbildung der Behandlung einer Frau auf dem Gebärstuhl und das Widmungsbild existieren in unterschiedlichen Versionen. In den Ausgaben Heinrich Steiners wurde letzteres gar nicht eingebunden....

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