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Italienische Literatur im Spannungsfeld von Norm und Hybridität

Übergänge – Graduierungen – Aushandlungen

Edited By Barbara Kuhn and Dietrich Scholler

Traditionell gelten die Begriffe Norm und Hybridität in der Literaturwissenschaft als Gegensatzpaar: Normen, wie sie seit der Antike und bis in die Frühe Neuzeit in Regelpoetiken festgehalten oder anderweitig definiert sind, werden im historischen Prozess mittels Hybridisierungen auf verschiedenen Ebenen aufgeweicht oder gebrochen, so dass sich die Hybridität spätestens in der Epoche der Romantik als neue Norm durchsetzt. Dagegen zeigen die hier versammelten Studien, dass sich die italienische Literatur einer solch eindeutigen Zuordnung entzieht. Es zeichnet sich ein von intrikaten Graduierungen und entsprechenden Aushandlungsprozessen geprägtes Spannungsfeld ab, das auf die grundsätzliche Übergänglichkeit der literarischen Rede weist: Sie ist stets unterwegs zu dem, was sie meint.

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Evenementielle Einheit und narrative Hybridität. Die deutsche Kriegsgefangenschaft in Testimonialtexten von C. E. Gadda und B. Tecchi: (Michael Schwarze (Konstanz))

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Michael Schwarze (Konstanz)

Evenementielle Einheit und narrativeHybridität. Die deutsche Kriegsgefangenschaftin Testimonialtexten von C. E. Gadda undB. Tecchi

Mit ‹Norm und Hybridität› stellt das Rahmenthema des Italianistentags 2018 ein komplexes Begriffspaar zur Diskussion, das für die Literaturwissenschaft eine Herausforderung ist. Diese manifestiert sich in der syntagmatischen Verknüpfung zweier Konzepte, mit denen man in den Geisteswissenschaften vorderhand gegenläufige Grundannahmen und Absichten verbindet: Auf der einen Seite die Norm, bei der es sich stets um ein konstruiertes Ordnungssystem handelt, das darauf abzielt, Einheit und damit Vergleichbarkeit herzustellen.1 Auf der anderen Seite die Hybridität, welche die Herstellung von Mischformen bezeichnet, bei der zuvor voneinander getrennte Systeme fluide miteinander verknüpft werden und die im Zuge des colonial turn zu einer zentralen Analysekategorie gegen normative und essentialistische Wissenschaftsdiskurse avanciert ist.2 Es handelt sich also um zwei analytische Konzepte, die bezogen auf literaturwissenschaftliche Beschreibungskategorien einer differenziellen Logik gehorchen: Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Argumentation stets im Rahmen von oppositiven Differenzgefügen bewegt.3 Das Syntagma Norm und ←165 | 166→Hybridität schließt, so betrachtet, vergleichbar mit den prominenten Oppositionen mythos / logos, Ritual / Narration oder Affekt / Reflexion, strukturell an den literaturwissenschaftlichen Methodenkanon an.

Ähnlich wie bei dem Verhältnis zwischen Mustern von ordo und varietas oder von Einheit und Vielheit/Pluralisierung gilt es jedoch auch im Falle des Paares Norm und Hybridität, die Korrelation zwischen präskriptiven Ordnungssystemen und fluiden Formen der Pluralisierung historisch stets aufs Neue auszudifferenzieren.4 Eine...

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