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Erhabenheit und Kunstautonomie

Schillers Poetik des Unendlichen

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Sofia Avgerinou

Friedrich Schillers Stilisierung als Dichter der Versöhnung und der ästhetischen Erziehung wird das konkurrierende Bild eines Ästhetikers des Widerspruchs immer entschiedener entgegengesetzt. In wie fern lässt sich aber die Forderung nach einer autonomen Kunst mit dem Erhabenen vereinbaren? Sind diese Begriffe dem heutigen Menschen noch ein Begriff? Auf denselben semantischen Elementen beruhend und eine Umdeutung der traditionellen Mimesis erstrebend, führen Schillers Versöhnungsaporien immer wieder zu neuen Trennungen und zu der Anerkennung der grundsätzlichen Widersprüchlichkeit des Daseins.

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1. Einleitung

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Schillers Ästhetik ist nicht nur viel diskutiert, abgelehnt und glorifiziert, sondern seit den 80. Jahren vielfach aktualisiert worden. In letzter Zeit, vor allem nach der Wende zum 21. Jahrhundert, wird Schillers typische Beschreibung als eines Dichters der Versöhnung immer mehr durch das Bild des Dichters als eines Ästhetikers des Widerspruchs zurückgedrängt. Traditionelle Auslegungen der Schillerschen Ästhetik tendieren dazu, den Moment der Versöhnung durch ästhetische Erziehung zu betonen –​ eine Auflösung der gegensetzlichen Triebe im Menschen mittels einer autonomen Kunst, die ihrerseits als Loslösung der Kunst von jedem Wirklichkeitsbezug verstanden wird. Dagegen wird von der herkömmlichen Schillerinterpretation der Begriff des Erhabenen als Moment des zu überwindenden Widerspruchs der menschlichen Existenz ausgelegt, als eine übermenschliche Anstrengung des Willens, die über das Ästhetische hinausgeht und die Freiheit der Kunst gerade gefährdet.

Forschungsziel dieser Arbeit ist, dem Verhältnis zwischen den Konzeptionen des Erhabenen und der Kunstautonomie in Schillers Ästhetik nachzugehen, vor allem unter dem Aspekt ihrer widersprüchlichen Konstitution und ihrer Implikationen für die Darstellungsmöglichkeiten der Kunst; sowohl Schillers Postulat der Kunstautonomie, das ihn als Klassiker erscheinen lässt, als auch sein Begriff vom Erhabenen stellen wichtige Stufen einer Entwicklung dar, die zum modernen Kunstverständnis geführt hat. Beide treten mit einer Dynamik auf, welche von der Übertragung menschlicher Freiheitsaspirationen auf die Kunst Zeugnis ablegt und den für die Epoche zentralen Begriff der Form auf das Subjekt und das Objekt der Kunst anwendet. Beide haben Kritik wegen Weltfremdheit, manchmal sogar...

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