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Wirtschaft, Wissenschaft und Weltgeltung.

Die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien am Botanischen Garten und Museum Berlin (1891–1920)

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Katja Kaiser

Diese Publikation untersucht die Beziehungen zwischen Wissenschaften und Kolonialismus am Beispiel der Berliner botanischen Einrichtungen. Im Fokus steht die dem Botanischen Garten und Museum angegliederte Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. Ihre Tätigkeit bestimmte die Verknüpfung von wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kolonialpolitischen Interessen. Die Studie beschreibt die Aufgabenbereiche der Botanischen Zentralstelle und die Motive der wichtigsten Akteure. Mit der Untersuchung der botanischen Netzwerke leistet sie einen Beitrag zu transimperialen Ansätzen der Kolonialgeschichtsschreibung. Exemplarische Objekt- und Sammlerbiographien widmen sich außerdem eingehend wissenschaftsgeschichtlichen Aspekten und der Aufarbeitung von Provenienzen kolonialer Sammlungen.

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IV. Die Aufgaben der Botanischen Zentralstelle

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Die Untersuchung der Aufgabenbereiche der Botanischen Zentralstelle orientiert sich an der Unterteilung in drei große Tätigkeitsfelder, welche die Quellentexte vornehmen. Ausgangspunkt ist dabei die Zusammenstellung des Kustos der Botanischen Zentralstelle, Georg Volkens, der in einer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1907 sämtliche Aktivitäten erfasste und derart geordnet aufführte, wie es auch dem Aufbau der Jahresberichte entsprach. Als erste Aufgabe gab Volkens an, „unsere Kolonien mit ökonomischen Gewächsen zu versorgen“.1 Dieser Auftrag umfasste die Beschaffung von geeigneten Arten und deren Versand als Lebendpflanzen oder Saatgut, hauptsächlich an die staatlichen Versuchsgärten in den deutschen Kolonien sowie daneben an Verwaltungs- oder Militärstationen, Plantagenunternehmen, Missionen und Privatpersonen. Der Transfer von Nutzpflanzen in die deutschen Kolonien sollte zuvorderst den Aufbau einer exportorientierten Plantagenwirtschaft unterstützen. Als zweiten Tätigkeitsbereich nannte Volkens „die aus den Kolonien eingehenden Pflanzen wissenschaftlich zu bestimmen und Auskunft über ihren Nutzwert zu geben.“2 Das dem Botanischen Garten und Museum in ungeheuren Mengen zuströmende Pflanzenmaterial wurde dafür mittels Vergleich mit den vorhandenen pflanzlichen Originalen der Sammlungen taxonomisch bearbeitet und die Forschungsergebnisse in Zeitschriften und Monographien publiziert. Die erteilten Auskünfte betrafen zumeist Nutzpflanzen, welche Sammler, Kaufleute, Kolonialbeamte, Plantagenbesitzer und andere aus den Kolonien einsandten. Unter den dritten Zweck der Botanischen Zentralstelle, „belehrend [zu] wirken“3, subsummierte Volkens so verschiedene Funktionen wie die Ausbildung von Gärtnern für den Kolonialdienst, die Beratung von Behörden, Privatunternehmen oder Missionen, die Ausrüstung von Forschungsreisenden mit Sammelgeräten, die Vermittlung von botanischem...

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