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Wirtschaft, Wissenschaft und Weltgeltung.

Die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien am Botanischen Garten und Museum Berlin (1891–1920)

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Katja Kaiser

Diese Publikation untersucht die Beziehungen zwischen Wissenschaften und Kolonialismus am Beispiel der Berliner botanischen Einrichtungen. Im Fokus steht die dem Botanischen Garten und Museum angegliederte Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. Ihre Tätigkeit bestimmte die Verknüpfung von wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kolonialpolitischen Interessen. Die Studie beschreibt die Aufgabenbereiche der Botanischen Zentralstelle und die Motive der wichtigsten Akteure. Mit der Untersuchung der botanischen Netzwerke leistet sie einen Beitrag zu transimperialen Ansätzen der Kolonialgeschichtsschreibung. Exemplarische Objekt- und Sammlerbiographien widmen sich außerdem eingehend wissenschaftsgeschichtlichen Aspekten und der Aufarbeitung von Provenienzen kolonialer Sammlungen.

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VI. Ausblick

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Eine einschneidende Zäsur erlebten die auf die ehemaligen Kolonien bezogenen Aktivitäten am Berliner Botanischen Garten und Museum durch die Zerstörung von Gebäuden und Sammlungen im Zweiten Weltkrieg. Im März 1943 trafen Bomben das Museumsgebäude; der größte Teil des Herbariums und die botanische Spezialbibliothek verbrannten. Im selben Jahr zerbarsten sämtliche Glasscheiben des Gewächshauskomplexes durch den Luftdruck in der Nähe abgeworfener Sprengbomben und die tropischen Pflanzenbestände gingen ein. Neuerliche Bombentreffer im Januar 1944 führten zum Brand des Schaumuseums und die letzten erhaltenen Anzuchthäuser kamen wie die Freilandanlagen bei den Kämpfen im April und Mai 1945 zu Schaden. Die Vernichtung der Herbarbestände, die vor dem Krieg als zweitgrößte Sammlung nach denen in Kew galten, ging als „Dahlemer Katastrophe“ in die Wissenschaftsgeschichte der Botanik ein. Nach 1945 liefen die Rekonstruktion der im amerikanischen Sektor liegenden Gebäude und der Wiederaufbau der Sammlungen nur schleppend an.85

Von den kolonialen Abteilungen im Garten und im Museum war kaum noch etwas übrig. Bei der Neukonzeption des Museums und des Gartens spielten die Kolonien und die Erinnerung an die koloniale Vergangenheit der Institution keine Rolle mehr. Das entsprach dem öffentlichen Bewusstsein der Nachkriegszeit. Im kollektiven Gedächtnis kam dem „Dritten Reich“ eine weitaus größere Bedeutung zu und die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus dominierte die Erinnerungspolitik. Während es zum behaupteten antiimperialistischen staatlichen Selbstverständnis der DDR gehörte, sich von der Kolonialgeschichte zu distanzieren, und koloniale Relikte...

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