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Kunst und Wissenschaft der Komödienübersetzung

Reflexionen – Beispiele – Erfahrungen

Rainer Kohlmayer

Das Buch ist das erste Werkstattseminar zu Theorie und Praxis des Dramenübersetzens. Es bietet zunächst einen kritischen Überblick über das Feld der literarischen Übersetzung und behandelt dann Einzelprobleme am Beispiel von Corneille, Molière und Labiche, u.a. das Deutsche als Übersetzungssprache, die Figurensprache, die Empathie, die Aktualisierung, das Lachtheater Labiches. Enthalten ist auch ein Erfahrungsbericht über den Weg vom Text zur Inszenierung (u.a. von Tartuffe und Bunbury). Alle Beispiele stammen aus der Praxis des Verfassers. Der Band schließt mit Stellungnahmen Jürgen von Stackelbergs zu den Übersetzungen Rainer Kohlmayers und einem Interview mit dem Verfasser. Ein Buch für die Übersetzungs- und Theaterpraxis.

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1. Kapitel Dramenübersetzung als gelehrte Kunst. Ein Überblick

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Dieses Buch gilt allen, die sich studierend oder dozierend, dilettantisch oder berufsmäßig mit literarischen Übersetzungen befassen. Dramenübersetzungen sind in der Praxis ein besonders mobiles, in mehrfachem Sinne flüchtiges geistiges Eigentum. Bearbeiten, Überschreiben, sogar Plagiieren sind im deutschsprachigen Theaterbetrieb, wo alljährlich rund 1000 ‚Übersetzungen‘ gespielt werden, längst zur künstlerischen Routine geworden (vgl. Kohlmayer 1996a: 252–261). Nur im Wissenschaftsbetrieb gelten noch strengere Regeln, die bisher nicht einmal für begabte PolitikerInnen gelockert werden. Der Begriff des literarischen Übersetzens selbst, der Ende des 18. Jahrhunderts als Einheit von Subjektivität, Linearität und Oralität ‚erfunden‘ und z.B. von August Wilhelm Schlegel auf höchstem Niveau vorexerziert wurde, der in Novalis‘ Formulierung der „schrift-lichen Stimme“ sein tertium comparationis fand (Kohlmayer 2019: 127f.), wurde im Zuge der Entkolonialisierung und Globalisierung aufgeweicht und ist in den Köpfen vieler Intellektueller heute zu einem Synonym für jede Art kultureller und sprachlicher Verwandlung geworden.

Bei Dramentexten ist der Anspruch der Texte auf eine relative „Autonomie“ (Koller 1992: 40 u.ö.) aus verschiedenen Gründen noch stärker weggeschmolzen als bei Buchtexten. Seit der Etablierung des deutschen Regietheaters um 1900 gilt der Gedanke der linearen oder sonstigen Werktreue als überholt. Die Eigendynamik der polysemiotischen Medien Theater oder Film lässt sich nicht durch irgendwelche Bühnen- oder Regiehinweise in einem gedruckten Text bändigen. Und ich weiß aus eigener Regieerfahrung, welchen spontanen Schub kreativer Freiheit man selbst gegenüber dem eigenen Text verspürt, wenn man die Übersetzer-Rolle mit...

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