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Homosexualität in der Holocaustliteratur

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Angelika Niere

Wer stellt Homosexualität innerhalb der Holocaustliteratur wann dar? Welche literarischen Strategien kommen zum Einsatz, wenn die Autoren und Autorinnen Homosexualität in ihren Texten ausgestalten, und welche Funktion erfüllen diese Darstellungen? Die Bearbeitung dieser Fragen ist nicht nur als Grundlagenbeitrag zu Gay Studies und Holocaustliteraturforschung von Interesse. Homosexualität wird auch im Schreiben über den Holocaust von Autorinnen und Autoren jeglicher Couleur ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung inszeniert. Diese Publikation untersucht, welche narrativen Funktionen diese häufig kurzen, doch zahlreichen Erwähnungen erfüllen und welche Einblicke in die Prozesse der Textentstehung und -wirkung dadurch ermöglicht werden.

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IV. Fazit

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Bei der Betrachtung von Homosexualität in der Holocaustliteratur zeichnen sich in Abhängigkeit von der Rolle, die die Autoren gegenüber dem Holocaust und homosexuellen Verfolgten einnehmen, mehrere deutlich abgrenzbare Darstellungsstrategien ab. Begonnen wurde die Analyse der vorliegenden Texte mit der Inszenierung von Homosexualität zum einen in der nationalsozialistischen Propaganda und aus der Täterperspektive, zum anderen zur gleichen Zeit in den Exilmedien. Die Wahrnehmung und das Verständnis der Ereignisse aufseiten der Täter determinierte ihre Handlungen, wirkte auf das Erleben und die Wahrnehmung der Opfer ein und bedingte so wiederum deren literarischen Konstruktionen. Da nach Ende des Dritten Reich die gesellschaftliche Reflexion über die politische Instrumentalisierung von Homosexualität ausblieb und die nationalsozialistische Verfolgung Homosexueller rapide tabuisiert wurde, blieben die hier und in den Exilmedien versuchten Wirklichkeitskonstruktionen im Diskurs der Nachkriegszeit als einzige etablierte Impulse für die Imagination von Homosexualität im Kontext des Holocaust stehen. Lautmann benennt in diesem Zusammenhang die Funktion der Medien als Generatoren von Wissen (vgl. Lautmann 1977). Wie einhellig die nationalsozialistische Konstruktion des homosexuellen Mannes als „Berufsverbrecher“, der Frau als „asozial“ nach der Auslöschung homosexuellenfreundlicher Stimmen in der Allgemeinbevölkerung des Dritten Reichs akzeptiert wurde, zeigen die 1946 in Haft verfassten Memoiren des vormaligen Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, der in seinen Berichten über das Vernichtungsgeschehen wiederholt auf das Beispiel der homosexuellen Häftlinge zurückgreift. Ihrer Verfolgung war er nicht angeklagt. Zudem funktioniert die Bewusstmachung ihrer Existenz für ihn als Legitimation der Konzentrationslager. In der Rezeption in der sp...

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