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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Drittes Kapitel: Religionswissenschaftliche Aspekte

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Das Thema um Toleranz und Gewalt, das in dieser Zeit zu brennender Aktualität geworden ist, wurde in den letzten Jahrzehnten auf eklatante Weise von J. Assmann und verschiedenen Forschern im Gespräch mit ihm aufgeworfen. Die Vielfalt von starken fundamentalistischen und integralistischen religiösen Ausdrucksformen, „die wir seit einigen Jahrzehnten erleben, ist in beängstigender Weise mit Gewalt, Bedrohungsbewusstsein, Hass, Angst und Produktion von Feindbildern verbunden“ (J. Assmann, 2005 S. 18). Angesichts dieser Tatsache lässt sich die Frage über einen möglichen Zusammenhang zwischen Monotheismus und Gewalt nicht vermeiden.

Assmann hat dieses Thema mit verschiedenen Werken und Beiträgen angegangen. „Moses der Ägypter“ (J. Assmann, 1998), erschienen 1998, war in diesem Zusammenhang das Werk des Anstoßes, gefolgt von „Die Mosaische Unterscheidung. Oder der Preis des Monotheismus“, wo er versucht, das Thema in einen umfassenderen Kontext einzuordnen ebenso wie viele andere Beiträge im Gespräch mit seinen Kritikern. Zu erwähnen ist besonders sein Beitrag „Monotheismus und die Sprache der Gewalt“.

In einem Interview fasst Assmann seine Meinung wie folgt zusammen: Mit ‚Die Mosaische Unterscheidung‘ meine ich „die Einführung der Unterscheidung zwischen wahr und falsch in den Bereich der Religionen. Die Religion basierte bis dahin auf der Unterscheidung zwischen rein und unrein, oder heilig und profan und hatte überhaupt keinen Platz für die Idee falscher Götter, für die Idee verbotener Götter, die man nicht anbeten darf, oder für die Idee von Göttern, die gar nicht existieren...

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