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Die Seebilder des Jacob van Ruisdael

Susanne Randhage

Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht die umfassende Analyse der Seebilder Jacob van Ruisdaels. Dabei wird die künstlerische Leistung Ruisdaels unter dem Einfluss sowohl der Natur- und Kunstauffassung als auch der gesellschaftspolitischen Entwicklungen des Goldenen Jahrhunderts (der Niederlande des 17. Jh.) berücksichtigt. Gleichzeitig bietet diese Betrachtung einen Lösungsansatz für die Interpretation bestimmter Bildmotive auf feste Sinnbilder, die in den Meereslandschaften anzutreffen sind. Die Gemälde enthalten emblematische Motive, ähnlich einem Gleichnis, so dass die Bildinhalte und ihre Bedeutung auf vielfältige Weise interpretiert werden können. Darüber hinaus werden weitere spezifische Charakteristika der ruisdaelschen Marinen an den Gemälden selbst exemplarisch herausgearbeitet.

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I. Vorbemerkungen

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Für eine ausführliche Betrachtung der niederländischen Malerei als Ganzes oder gar eines speziellen Teilgebiets derselben, genügt es nicht, sich nur mit den rein künstlerischen Aspekten zu beschäftigen, da der niederländische Künstler an sich und ebenso sein Schaffen durch viele gesellschaftliche, politische, religiöse und wissenschaftliche Komponenten beeinflusst worden war, und sich dieser Umstand wiederum in seinen jeweiligen Werken erkennbar niederschlug. Es ist daher unumgänglich, die Leistung eines Malers wie Jacob van Ruisdael, frei nach Hegel unter kunstsoziologischen Aspekten zu betrachten. Zu diesen zählen insbesondere die analytischen Einbeziehungen der Wirtschaft (Fischerei, Schifffahrt, Handel/Kaufleute), der Landwirtschaft, der Landgewinnung, der Vormachtstellung der bürgerlichen Schichten gegenüber dem katholischen Adel und der Religion des Calvinismus. Durch all diese Faktoren und die dazugehörigen Begleiterscheinungen konnte sich die niederländische Malerei in ihrer Einzigartigkeit entwickeln (vgl. North 2001: 4).

Dass dieser Erfolg durchaus kein Zufall war, sondern einer planmäßig strukturierten Arbeitsweise unterlag, und jene andersartige Darstellungsweise festen Konventionen folgte, welche von den niederländischen Malern umgesetzt wurden, beweist eine gern verwandte Aussage von Samuel van Hoogstraten, in der er beschreibt, wie ein Gemälde gleich einem Spiegel die Natur wiedergibt, jedoch in einer ausschmückenden Version (vgl. Weststeijn 2008: 269). Dies besagt, dass sich die Kunst durchaus an der Natur orientieren sollte, aber die bloß abgebildete Natur allein eben nicht die gewünschte Botschaft transportieren konnte, wenn sie nicht in der erforderlichen Manier gestaltet war.

Noch vor Hoogstraten war...

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