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Wort- und Formenvielfalt

Festschrift für Christoph Koch zum 80. Geburtstag. Unter Mitarbeit von Daniel Petit

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Edited By Anna Jouravel and Audrey Mathys

Die Festschrift ehrt Christoph Koch, Professor für Vergleichende und Indogermanische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zu seinem 80. Geburtstag vereint der Band wissenschaftliche und persönliche Beiträge von Kollegen, Schülern und Freunden. Sie umfassen verschiedene Bereiche der historischen und modernen Sprachwissenschaften wie der Indogermanistik, der Byzantinistik, der Slavistik oder Baltistik, greifen kunsthistorische und editionsphilologische Fragestellungen auf und spiegeln somit das breite Spektrum der Interessens- und Forschungsgebiete des Jubilars wider.

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Sprache ohne Worte: Hypostase und Konversion im Lettischen

Daniel Petit

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In den baltischen Sprachen können Präpositionalgruppen in Bezug auf Substantive attributive Funktionen einnehmen, und zwar entweder durch Hypostasierung (z.B. Litauisch begė́dis žmogùs ‚ein schamloser Mensch‘, Lett. bezastains suns ‚ein schwanzloser Hund‘) oder durch Konversion (e.g. Litauisch žmogùs bè gė́dos ‚ein Mensch ohne Scham‘, Altlett. suns bez astes ‚ein Hund ohne Schwanz‘). Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist es, auf die Existenz einer dritten, im Lettischen recht produktiven Möglichkeit hinzuweisen, die als eine Zwischenform zwischen Hypostasierung und Konversion definiert werden kann (Lett. bezastes suns ‚ein Hund ohne Schwanz‘).

‚Der Tag war ohne Tag,

die Nacht war ohne Nacht‘

(Paul Fleming)

Im Jahre 1888 ließ der deutsche Polygraf Rudolf Kleinpaul (1845–1918) ein umfangreiches Buch über den Begriff von Universalsprache veröffentlichen, das heute so gut wie völlig in Vergessenheit geraten ist, dessen Titel mir aber aufgrund einer Besonderheit seiner Morphologie besonders auffiel: Sprache ohne Worte, Idee einer allgemeinen Wissenschaft der Sprache (Leipzig, Verlag von Wilhelm Friedrich). Die einleitende Formulierung Sprache ohne Worte erschien mir sofort extrem verwirrend, und zwar nicht deshalb, weil sie im Deutschen nicht idiomatisch klang (vgl. der Mann ohne Eigenschaften, der Fürst ohne Krone, das Buch ohne Namen), sondern weil ihre morphologische Bildung mir geradezu seltsam erschien. Es handelt sich dabei um eine attributive Ergänzung (ohne Worte), die mit einem Bezugsnomen (Sprache) verbunden ist, aber ohne jegliches Derivationsmittel gebildet ist und durch eine bloß syntaktische Beziehung ausgedrückt zu sein scheint....

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