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Der Kölner Lischka-Prozess

NS-Verbrechen und Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich

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Theresa Angenlahr

Im Lischka-Prozess standen von Oktober 1979 bis Februar 1980 drei Mitverantwortliche für die Deportation der jüdischen Bevölkerung Frankreichs während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg vor dem Kölner Landgericht. Die kurze Verhandlungsdauer sowie die Verurteilung der Angeklagten Kurt Lischka, Herbert Hagen und Ernst Heinrichsohn zu mehrjährigen Haftstrafen heben den Prozess von den meisten anderen westdeutschen NS-Strafverfahren ab. Die Studie untersucht den Einfluss der Strafverfolgung auf die öffentliche Debatte um die Shoah in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich. Mithilfe des Ansatzes der Histoire croisée analysiert sie, wie die erinnerungskulturelle Auseinandersetzung um den Lischka-Prozess in beiden Ländern geführt und wechselseitig rezipiert wurde.

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Einleitung

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„Le procès de Cologne restera pour nous l’étape la plus importante sur notre route vers la justice et la mémoire. [Der Lischka-Prozess wird für uns die wichtigste Etappe auf dem Weg zu Gerechtigkeit und Erinnerung bleiben.]“1 Mit diesen Worten lobte der französische Rechtsanwalt und Historiker Serge Klarsfeld am 15. Februar 2018 auf einer Konferenz im Mémorial de la Shoah in Paris rückblickend den Lischka-Prozess. Dieser war ein Strafprozess, der vom 23. Oktober 1979 bis zum 11. Februar 1980 vor der 15. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichtes gegen Kurt Lischka (1909–1987), Herbert Martin Hagen (1913–1999) und Ernst Heinrichsohn (1920–1994) stattfand. Die drei waren wegen ihrer Beteiligung an der Deportation der in Frankreich lebenden jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager während der deutschen Besatzung des Landes im Zweiten Weltkrieg als ehemalige Angehörige des Sicherheitsdienstes (SD) der Schutzstaffel (SS), der Sicherheitspolizei (Sipo) bzw. der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 70.000 Fällen angeklagt. Der Prozess war Teil des sogenannten „Frankreich-Komplexes“; so wurde justizintern eine Reihe von Ermittlungsverfahren in der Bundesrepublik genannt, in der seit 1960 gegen mehrere Hundert Tatverdächtige ermittelt wurde, die während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich an Gewaltverbrechen beteiligt gewesen waren.2 Im Februar 1980 wurde Lischka zu zehn, Hagen zu zwölf und Heinrichsohn zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Historiker Bernhard Brunner bezeichnet den Lischka-Prozess auch aufgrund dieser im Vergleich zu anderen ←19 | 20→ Prozessen gegen NS-Verbrecher...

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