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Das Kurzprosawerk Willa Cathers: Eine erzähltheoretische Analyse

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Nicola Janitz

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das Kurzprosawerk Willa Cathers den literaturhistorischen Entwicklungstendenzen von der traditionellen Form des diegetisch-fiktionalen (auktorialen) Erzählens hin zum mimetisch-fiktionalen, figurenorientierten (personalen) Erzählen entspricht. Die Analysen basieren auf dem «Zürcher Beschreibungsmodell» von Rolf Tarot ( Narratio viva 1993), welches durch weitere erzähltheoretische Ansätze ergänzt wird. Sechs Short Storys werden einer detaillierten erzähltheoretischen Analyse unterzogen, und obwohl Willa Cather, deren Schaffensperiode sich über ein halbes Jahrhundert erstreckte, durchaus modernistische Gestaltungsmittel verwendet, ist das Wechselverhältnis von diegetisch- und mimetisch-fiktionalen Elementen in ihrem Kurzprosawerk sehr facettenreich.

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Einleitung

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Es kann also niemand sich für praktisch bewandert in einer Wissenschaft ausge- ben und doch die Theorie verachten, ohne sich bloß zu geben, dass er in seinem Fache ein Ignorant sei: indem er glaubt, durch Herumtappen in Versuchen und Er- fahrungen, ohne sich gewisse Prinzipien (die eigentlich das ausmachen, was man Theorie nennt) zu sammeln, und ohne sich ein Ganzes (welches, wenn man dabei methodisch verfahren wird, System heißt) über sein Geschäft gedacht zu haben, weiter kommen zu können, als ihn Theorie zu bringen vermag. (I. Kant: Über den Gemeinspruch: das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis)1 Kants Abhandlung ist ein anschauliches Bild für die Tatsache, dass die Erkenn- barkeit von Zusammenhängen unter anderem von der Leistungsfähigkeit und der Differenziertheit der Instrumente abhängt, die von einem Beobachter im Er- kenntnisprozess verwendet werden, präziser formuliert: Um wissenschaftlich ar- beiten zu können, bedarf es einer Theorie für die Praxis. Überträgt man diese Einsicht auf den gegenwärtigen Stand der Erzähltheorie, so lässt sich Erfreuliches berichten. Kaum ein Teilbereich der Literaturwissen- schaft hat in den letzten Jahren einen solchen Boom erfahren wie die Narratolo- gie: „Überblickt man die äußerst rege Forschung in den verschiedenen Berei- chen und Richtungen der Narratologie, so kann man gar von einer veritablen Renaissance der Erzähltheorie sprechen. Die Narratologie ist nicht nur wie ein Phönix aus der Asche emporgestiegen, sondern hat seit den 1990er...

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