Show Less

Nach London!

Der Modernisierungsprozess Englands in der literarischen Inszenierung von Georg Christoph Lichtenberg, Heinrich Heine und Theodor Fontane

Series:

Robert Radu

England war im 18. und 19. Jahrhundert mehr als nur ein Königreich am Rande Europas: Es war das Land der «Industriellen Revolution», fortschrittlich im Technischen, vorbildlich im Politischen, mit einer Weltmetropole zur Hauptstadt. Für viele deutsche Intellektuelle verkörperte es daher nicht nur ein «Anderes», sondern die Zukunft der Moderne überhaupt. Diese Arbeit geht der Frage nach, wie die Englandreisenden Lichtenberg, Heine und Fontane die Umbrüche am Beginn der europäischen Moderne sprachlich inszenieren und reflektieren. Sie zeichnet dabei vor allem auch den nach der Französischen Revolution einsetzenden kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Wandel nach von einem anglophilen Fortschrittsoptimismus hin zu einer Kritik des englischen Weges in die Moderne und seiner, vor allem sozialen, Unkosten.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

V. SCHLUSSBETRACHTUNG 111

Extract

111 V. SCHLUSSBETRACHTUNG Der analytische Teil der Untersuchung ist nun abgeschlossen. Ziel war es aufzu- zeigen, wie Lichtenberg, Heine und Fontane den Modernisierungsprozess Englands in ihren Reiseberichten literarisch inszenieren. Die Analyse orientierte sich dabei an den thematischen Schwerpunkten Urbanisierung und Pauperismus, Politik und Parlamentarismus sowie Industrialisierung und Kapitalismus. Wel- che Positionen nehmen die Autoren bzw. Verfasserfiguren zu den genannten Prozessen ein? Welches Bild von England vermitteln sie? Inwieweit zeigen sich Veränderungen in der Bewertung der einzelnen Prozesse? Urbanisierung und Pauperismus: In allen drei Reiseberichten nimmt das Ur- bane, sinnfällig präsent in der Millionenstadt London, eine eminent wichtige Rolle ein. Vor allem bei Heine und Lichtenberg wird die einleitende Heranfüh- rung des Lesers an London über das Meer zu einem zentralen Narrativ innerhalb der Dramaturgie des Textes. An der Inszenierung von Urbanität war bei Lich- tenberg zunächst die grundsätzliche Problematik zu beobachten, das Wahr- genommene zu verbalisieren. Diesen Mangel an urbanem Sprachinventar doku- mentieren die Briefe seines ersten Aufenthalts (1770). Die Großstadt firmiert hier als Ort, von dem aus eine Unmenge auditiver, visueller und haptischer Rei- ze auf das Subjekt einströmen, die dieses kaum zu kanalisieren vermag. Die Sprachunfähigkeit ist daher vor allem auch ein Symptom der Depotenzierung und Desorientierung des Menschen im urbanen Raum. Indes zeigen die Briefe des zweiten Londonaufenthaltes (1774/75), dass eine rasche Konditionierung des Subjekts möglich ist, die Urbanität differenziert und reflektiert wahrzunehmen gestattet. Lichtenberg inszeniert Großstadt nun als Ort einer gewaltigen Beschleunigung des...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.