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Ängstlich und gottverlassen

Woody Allen und Ingmar Bergman auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Ingmar Fernengel

Ingmar Bergman und Woody Allen, zwei auf den ersten Blick so grundverschiedene Filmemacher, erweisen sich in dieser vergleichenden Analyse ihrer filmischen Gesamtwerke überraschend als geistige Verwandte. Die Berührungspunkte sind neben ihrer Profession vor allem ihre hartnäckigen Fragen nach dem Sinn unseres Daseins, die beide auf ihre unverwechselbare Art «beantworten». Die subjektiv assoziative Interpretationsmethode, zu der sich das Buch bekennt, schafft es, den Leser mit einzubeziehen und ihn zum aktiven Wiederentdecker des umfangreichen filmischen Erbes dieser Regisseure werden zu lassen. Ein Filmbuch, das wissenschaftlichen Anspruch und Unterhaltung vereint und dabei als Konzept einen innovativen Weg beschreitet.

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Abspann 179

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179 Abspann So wie Bergman in den sechziger Jahren „moralischer Wegweiser seiner Zeit“242 war, wie Mikael Timm treffend bemerkt hat, so wäre diese Rolle in den achtzi- ger und neunziger Jahren mit Sicherheit Allen zugefallen, hätte das Kino in der Zwischenzeit nicht so viel von seinem Einfluss auf die Meinungsbildung einge- büßt, besonders das unabhängige, „budgetlose“ Kino. Diese Aufgabe hat es aus der Hand geben müssen. Allen beklagt den moralischen Verfall, aber er bezieht keine Stellung. Der Dis- kurs seiner „ernsten“ Filme hat gezeigt, dass es für ihn keine an die Vernunft ge- bundene Grundlage gibt, die moralisches Handeln belohnt. Für eine dahinge- hende Argumentation fehlen ihm ganz einfach die nötigen Beweise. Der Moral stellt er oft den Hedonismus entgegen. Dem hedonistischen Streben, wie im Fal- le Judahs in Crimes And Misdemeanors, stehen nur die eigenen Gewis- sensbisse, nicht aber eine „göttliche“ Bestrafung im Wege. Sogar von Rechts wegen wird er nicht zur Verantwortung gezogen. Nichtsdestoweniger kämpft Al- len gegen die Hedonisten an. Er hofft auf die moralische Verantwortung eines jeden Einzelnen. Keine der beiden Positionen ist ein Garant für ein glücklicheres oder erfolgreicheres Leben, aber das Leben wird bedeutsamer, wenn man seine Seele nicht verkauft. Deswegen ist Allen nicht, wie man unter Umständen ver- muten könnte, ein Nihilist. Er empfindet eine Hassliebe zu Gott: Auf dem Weg zum Atheismus hofft er doch inständig bekehrt zu werden. Seinen pessimis- tischsten Film Stardust Memories bezeichnet...

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