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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.4.2. Erweiterung der Semicalquedefinition um die Konduktion 47

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Semicalque 47 6.4.2. Erweiterung der Semicalquedefinition um die Konduktion Für die Definition des Semicalques in Abgrenzung zur Lehnformung (Supraklassifikat der Lü und Lüt) nennt Betz (1949: 23) zwei von uns zu prüfende Kriterien: 1. die Zu- sammensetzung der adaptierten mit einer indigenen calquierten Konstituente (dän. veldædig nhd. wohltätig; č. kindrvajíčko, slk. kindervajce nhd. Kinderei, eventu- ell engl. kinderegg; p. pioropusz dt. Federbusch) und 2. die erstmalige Adaptation einer Konstituente aus L2 (č. rudo-armějec sts. r. красно-армеец). Das erste Krite- rium berücksichtigt nicht, dass sowohl das adaptierte als auch das reproduzierte nicht homo- bzw. paraphone lexikalische Morphem bereits ein Integrat in L1 darstellen kann: p. lejbgwardia dt. Leibgarde, wr. акра-верш r. акро-стих. Beim zweiten Kriterium schränkt Schumann (1965: 82) den Transferenzmodus sogar auf nur gebun- dene erstmals interferierende Morpheme ein (sb.u.kr. dial. feldbaba), wobei er diese „als fremde Lautgruppe und nicht als bedeutungstragendes selbständiges Lehnwort“ definiert. Dieses Kriterium der Gebundenheit können wir vorweg ausschließen, was aus in der L1 bereits integrierten ungebundenen lexikalische Konstituenten ersichtlich wird, vgl. z.B. bankocedule (ungebundenes banka-+-o-+-cedule), bankocetle (Lw) ö.-dt. Bankozettel (zu it. banco + nhd. Zettel) in der Publizistik des 18. Jhs. banko- cedule (Kamiš 1974a: 43;95): hierzu analog partecedule, partecetle, parte (New:411). Falls anstelle der erstmaligen Morphemadaptation auf ein Integrat der L1 zurückge- griffen wird,180 liegt nur bei nicht homo- bzw. paraphonen Konstituenten (vgl. z.B. lat. potator vini, got. weindrugkja gr. ) ein Calque vor, was demnach nicht für folgende...

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