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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.5. Phraseologische (Semi)Calques 55

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Semicalque 55 tert. Weitere Merkmale zur Beschreibung der Hybridbildungen können in unsere Überlegungen einbezogen werden. Integrierte Hybridbildungen entstammen einer un- mittelbaren Sprachenkontaktsituation, in der sie einen sprachheterogenen Prototyp L2- Hybrid, der in der L2 bereits i.d.R. unter Ausschluss von L1-Konstituenten eine Hybrid- bildung darstellt, mit seinem Wortbildungstyp entlehnen, wobei sowohl die Aus- drucks- als auch die Inhaltssseite der gesamten Bildung morphematisch und seman- tisch äquivalent entlehnt werden (č. automobil). Die Bildung ist, wenn weitere segmentierbare identische Konstituenten der L1 vorhanden sind, remotivierbar. Indigene Hybridbildungen treten etymologisch gesehen sprachheterogen und - ho- mogen mit oder ohne Einschluss von L1 auf. Sie gehen auf keine unmittelbare Spra- chenkontaktsituation zurück, besitzen demnach keinen Prototyp L2 und werden in ei- nem genuinen in L1 motivierten Wortbildungsakt gebildet (Hybridisierung), wobei der Wortbildungstyp indigen oder entlehnt sein kann. Es wird auch nicht die Ausdrucks- bzw. die Inhaltsseite einer Gesamtbildung entlehnt, lediglich eine Konstituente muss mindestens per definitionem entlehnt und unintegriert vorliegen. Die etymologisch sprachheterogenen bzw. -homogenen Semicalques entstammen einer Sprachenkontaktsituation, in der sie einen L2-Prototyp mit teils indigenem, teils erstmalig entlehntem bzw. teils bereits integriertem homo- bzw. paraphonem Mor- pheminventar der L1 in einem teilweise oder ganz motivierten Wortbildungsakt repro- duzieren. Semicalquiert hybrid können Präfixderivate, Komposita, und Derivate mit adaptiertem bzw. fremdem Suffix erscheinen (Hybridisierung). Bei genetisch nah ver- wandten Sprachen droht die Heterogenität aufgegeben zu werden. Jeder Semicalque mit Adaptation stellt ein Hybridkompositum dar, während beim Semicalque mit Kon- duktion die Hybridität potentiell bleibt. Eine absolute Lehnprägung ist...

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