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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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I. Psychoanalyse und Freiheit 9

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9 I. Psychoanalyse und Freiheit Menschen wenden sich an einen Analytiker, weil sie sich von ihren Symptomen, von Hemmungen, von bestimmten Vorstellungen, von Zwängen befreien wollen. Ge- wöhnlich formulieren sie ihr Anliegen nicht mit diesen Worten. Zunächst sind sie sich meist nicht bewußt, daß ihr Ersuchen nach „Heilung“ als Suche nach mehr Freiheit angesehen werden kann, insbesondere in Hinblick auf den mehr oder weniger deutli- chen Wiederholungszwang. Können wir Psychoanalytiker davon ausgehen, daß die psychoanalytische Erfah- rung zu einer Freiheit verhelfen kann, die über bloße Symptomfreiheit hinausginge ? Wir kennen mit Freud allzu gut die Überdeterminiertheit1 des unbewußten und bewuß- ten Denkens des Menschen, seines Handelns, seines psychischen Geschehens über- haupt, auch jenseits von neurotischem Wiederholungszwang. Mir scheint interessant, die Psychoanalyse zu befragen, was wir über – relative – Symptomfreiheit oder eine neue oder wiedergefundene Kreativität2 infolge einer Ana- lyse hinaus als Freiheitsräume ausmachen können, die sich vor dem Hintergrund der psychoanalytischen Erfahrung abzeichnen können; dies mit dem Ziel hervorzuheben, daß die Psychoanalyse nicht nur eine Therapie ist, die von Symptomen und in gewis- sem Umfang vom Wiederholungszwang befreien kann, sondern auch eine Praxis, die ein allgemeineres Emanzipationspotential hat. Zunächst lassen uns die Freudschen Entdeckungen hinsichtlich des psychischen Ge- schehens eher ratlos, wie man sich „Freiheit“ des Menschen vorstellen könnte, die Freiheit, seine potentielle Fähigkeit zur Lust auszuleben, auch die Freiheit, über seine Wahrnehmungs- und Denkfähigkeit zu verfügen. Freud hat das auf die griffige Formel gebracht,...

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