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Psychoanalyse und Freiheit

Susann Heenen-Wolff

In diesem Band wird auf zentrale Konzepte Freuds zurück verwiesen, die in der zeitgenössischen Psychoanalyse zunehmend in den Hintergrund geraten sind. Die Autorin arbeitet diesen Paradigmenwechsel heraus, geht aber auch auf den unverzichtbaren und bleibenden Wert der Freudschen Metapsychologie ein. «Penisneid» und «Todestrieb» werden in ihrer Relevanz für die alltägliche Praxis deutlich gemacht, das spezifische analytische Zuhören, die Geschwisterbeziehung metapsychologisch verortet. Vor dem Hintergrund klinischer gruppenanalytischer Erfahrungen werden Überlegungen zu «Identität und Antisemitismus» angestellt. Zahlreiche Fallbeispiele verbinden die metapsychologischen Theorien mit der klinischen Erfahrung.

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IX. Freuds Konzept des Todestriebs – welcher Nutzen für den psychoanalytischen Alltag? 135

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135 IX. Freuds Konzept des Todestriebs – welcher Nutzen für den psychoanalytischen Alltag ? „Ich muß daran glauben...“: So hat Freud seine Neuformulierung der Triebtheorie in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts kommentiert, die ihn zum Konzept vom Todestrieb geführt hatte. Handelt es sich bei dieser Neufassung der Triebtheorie um ein reines Glaubensbekenntnis, eine Weltanschauung ? In der Tat wäre es verfehlt, dem Todestrieb den Status einer faßbaren Wahrheit oder isolierbaren Realität einzu- räumen. Um dem intuitiven Impetus bei der Formulierung des Todestriebs Rechnung zu tragen, muß zunächst dessen dekonstruierendes, unterminierendes Moment gegen- über allem vorherigen Denken betont werden. Vielen Nachfolgern Freuds war die letzte Triebtheorie zu spekulativ, vielleicht war es ihnen auch unheimlich, das Lust- prinzip als dem Todestrieb untergeordnet zu sehen, und sie haben sich geweigert, Freuds Denken zu folgen, so daß man zwischen den Psychoanalytikern, die an den Todestrieb „glauben“ und jenen, die dies nicht tun, unterscheiden konnte und kann (vgl. Bokanowski, 1989). Aber wie der Charakter des Triebes selbst - ungreifbar, un- sichtbar, und doch wirksam –, so ist auch der Todestrieb innerhalb der Psychoanalyse nicht ganz verschwunden. Warum hat das Konzept des Todestriebes trotz der zuneh- mend eindimensionalen Rationalität des wissenschaftlichen Diskurses immer noch nicht seinen eigenen Tod erlebt ? Es beruht ja schließlich nur auf metapsychologischen Mutmaßungen, der „Hexe“, wie Freud sie nannte ? Zur Erinnerung: Freud hat seine „Wissenschaft vom Unbewußten“ über viele Jahrzehnte hinweg entwi- ckelt und dabei vor Wendungen, gar Kehrtwendungen nicht zurückgeschreckt, wenn die klinischen...

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