Show Less

Was ist Musiksoziologie?

Ausgewählte Texte- Herausgegeben von Michael Parzer

Series:

Michael Parzer

Kurt Blaukopf (1914-1999) gilt als einer der bedeutendsten Musiksoziologen des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von einer empiristischen Tradition österreichischer Kunst- und Kulturforschung begründete Blaukopf die «Wiener Schule der Musiksoziologie», zu deren Zielsetzung die interdisziplinäre Erforschung musikalischer Praxis unter besonderer Berücksichtigung ihrer musik-, kultur- und medienpolitischen Relevanz zählt. Der Band Was ist Musiksoziologie? versammelt eine Reihe der wichtigsten musiksoziologischen Texte von Kurt Blaukopf, die zwischen 1949 und 1997 entstanden sind. Sie geben nicht nur Aufschluss über die zentralen Charakteristika der österreichischen Tradition musiksoziologischen Denkens, sondern zeichnen auch deren Entstehung und Weiterentwicklung nach.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Musikpraxis als Gegenstand der Soziologie 89

Extract

89 Musikpraxis als Gegenstand der Soziologie1 Die Forderung, daß sich Kunstforschung nicht bloß den Werken zuwenden sollte, sondern dem gesamten Umgang des Menschen mit den Künsten, ist von einem Mann erhoben worden, der als Statistiker, als Wissenschaftstheoretiker und als Rilke-Forscher in die Geschichte eingegangen ist: Richard von Mises (1883–1953) wies der Kunstforschung die Aufgabe zu, „die beobachtbaren Erscheinungen auf dem Gebiete der Kunstübung zu beschreiben und zu ordnen und ihre Zusammenhänge mit anderen Vorgän- gen des Gemeinschafts- und Einzellebens (als Teil der Soziologie und der Psychologie) zu erfassen“2. Nach dem Muster des Wortes „Kunstübung“, das Mises verwen- det, könnte man den Begriff „Musikübung“ bilden. Da das Wort „Üben“ in Verbindung mit Musik vielleicht an anderes denken ließe, ziehe ich es vor, an dessen Stelle das Wort „Musikpraxis“ in eben jenem Sinne zu verwenden, den Mises der „Kunstübung“ zuweist, nämlich für alle Arten des Umgangs mit Musik. Auch im Übrigen orientieren sich die folgenden Ausführungen an den Überlegungen von Richard von Mises. Die erste Anregung hierzu verdanke ich allerdings Robert Reichardt, der mit einer Studie über die kulturelle und ökonomische Rolle des Tonträgers3 we- sentlich zum Verständnis der Veränderung der Musikpraxis im 20. Jahrhundert beigetragen hat. 1 Das handgeschriebene Originalmanuskript dieses Textes stammt aus dem Jahr 1969 und trägt den Titel „Musiksoziologie. Ein Entwurf zu Gegenstand und Me- thode“. Die hier abgedruckte (und leicht veränderte) Fassung ist erstmals erschie- nen in: Michael...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.