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Regimelegitimität und regionale Kooperation im Golf-Kooperationsrat (Gulf Cooperation Council)

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Leonie Holthaus

Der Golf-Kooperationsrat stellt die wohl erfolgreichste (sub-)regionale Organisation arabischer Staaten dar. Entgegen neorealistischen Erklärungsversuchen wird seine Entstehung in dieser Studie unter Hinzuziehung sozialkonstruktivistischer Erkenntnisse auf die Bedrohungsperzeption der verbleibenden monarchischen Regime aufgrund der iranischen Revolution zurückgeführt. Darüber hinaus werden die institutionellen Strukturen des Golf-Kooperationsrates sowie die initiierte Wirtschafts- und Sicherheitskooperation unter Berücksichtigung eines Zuwachses an Legitimierungsressourcen für die partizipierenden Regime analysiert. Bei der Betrachtung dieser (sub-)regionalen Dynamiken wie auch bei der Evaluation der interregionalen Beziehungen zwischen dem Golf-Kooperationsrat und der Europäischen Union wird dem Phänomen der Regimelegitimität über die interne Dimension in nationalen Kontext eine externe Dimension auf internationaler Ebene eingeräumt.

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5. Die Idee der arabischen Einheit und der (sub-)regionale Exklusivitätsanspruch: ein externes Legitimationsproblem?

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In dem vorangegangenen Kapitel wurde bereits gezeigt, dass der GKR in der offiziellen Vorstellung als Reaktion auf die historischen, sozialen, religiösen und politischen Ähnlichkeiten der Staaten porträtiert worden ist. Trotz der Betonung der Homogenität und der dadurch resultierenden Abgrenzung von anderen Staa- ten, wird in der Charta des GKR das Vokabular des arabischen Nationalismus verwendet. Diese Beobachtung deutet auf ein ideelles Spannungsverhältnis zwischen Referenzen auf den arabischen Einheitsgedanken und der Begründung der „besonderen Beziehungen“ unter den arabischen Golfstaaten hin. Damit verbunden ist die Frage, welche Rolle Verweise auf die Ideen des arabischen Nationalismus für das Ansehen des GKR und damit verbunden der externen Legitimität der partizipierenden Regime in der Perspektive anderer arabischer Staaten spielten. Um dieser Frage nachgehen zu können, ist es notwendig kurz die zentralen Ideen des arabischen Nationalismus zu skizzieren. Daran anschlie- ßend wird die Gründung des GKR im Kontext der relevanten Diskurse disku- tiert. 5.1. Externe Legitimität im regionalen Kontext Arabischer Nationalismus, der auch unter dem Begriff des Panarabismus57 ge- fasst wird, stellt die wohl wichtigste Ideologie des 20. Jahrhunderts in den arabi- schen Ländern dar. Wie auch andere Formen des Nationalismus, beruht er auf der Imagination einer Gemeinschaft und kann unterschiedliche Bedeutungszu- weisungen erhalten (vgl. Anderson, 1991: 6; Barnett, 1995: 481). Seine zentrale Idee besagt, dass die arabischen Menschen durch ihre Sprache und Geschichte58 miteinander verbunden sind und zu einer Nation gehören. Die von den Koloni- almächten errichteten Grenzen werden demnach als unzul...

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