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Die Feststellung der Vaterschaft unabhängig von Anfechtungsverfahren

Das neue Abstammungsrecht unter besonderer Berücksichtigung der Perspektive der Väter

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Bernd Süß

Anlass dieser Arbeit war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu heimlichen Vaterschaftstests vom 13.02.2007. Das Verfassungsgericht billigte darin die BGH-Rechtsprechung, wonach heimliche Vaterschaftstests unverwertbar sind. Gleichzeitig verpflichtete es den Gesetzgeber ein Verfahren einzuführen, das es Vätern ermöglicht, unabhängig vom Anfechtungsverfahren ihre biologische Vaterschaft zu überprüfen. Die Arbeit analysiert das Urteil des Bundesverfassungsgerichts sowie den neu eingeführten § 1598 a BGB. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, warum die Kenntnis der eigenen biologischen Vaterschaft ein persönlichkeitsbildender Faktor sein soll. Anhand der gefundenen Ergebnisse werden Perspektiven für ein neues Abstammungsrecht aufgezeigt.

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1. Kapitel Bisherige Diskussion um eine isolierte Abstammungsfeststellungsklage

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Eine Diskussion um eine vom Anfechtungsverfahren unabhängige Feststellung der biologischen Abstammung ist nur dann sinnvoll, wenn man letztere natur- wissenschaftlich nachweisen kann. Dies war jedoch jahrhundertelang nicht mög- lich und änderte sich erst, als Karl Landsteiner 1901 feststellte, dass Menschen unterschiedliche Blutgruppen haben.30 Diese Entdeckung bedeutete den Anfang der Abstammungsuntersuchung in Deutschland. Bereits 1924 erkannte Bern- stein, dass Blutgruppen sich nach den mendelschen Gesetzen vererben31, sodass durch Blutgruppengutachten in einigen Fällen eine biologische Vaterschaft aus- geschlossen werden konnte. Noch im selben Jahr wurden der deutschen Gesell- schaft für gerichtliche und soziale Medizin die ersten Abstammungsgutachten vorgelegt.32 Ein Jahr später versuchte man, die Rechtsprechung davon zu überzeugen, Blut- untersuchungen bei Vaterschaftsfeststellungsprozessen als Beweis anzuerken- nen.33 Zunächst bestanden jedoch Bedenken gegen diese Methode, da man Zweifel an Richtigkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse hatte. Diese Beden- ken gab die Rechtsprechung aber innerhalb weniger Jahre auf.34 A. Diskussion bis 1933 Auch wenn es naturwissenschaftlich möglich war, die Abstammung klären zu lassen, wurden bis 1933 in der Praxis kaum Klagen eingereicht, die auf Feststel- lung oder Nichtfeststellung der Abstammung zu einem bestimmten Mann ge- richtet waren. Dies lag zum einen daran, dass die Abstammungsbegutachtung noch in den Kinderschuhen steckte und die Fehleranfälligkeit, und daraus resul- tierend auch das Misstrauen gegenüber den Methoden der Vaterschaftsfeststel- lung, relativ hoch waren.35 Zum anderen wurde die Bedeutung der Abstammung für die Identitätsfindung und Selbstverständnis nicht erkannt.36 30 Fabricius, FPR 2002, 376 (376); Geserick, FPR 2002,...

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