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Sanatio in radice

Historie eines Rechtsinstituts und seine Beziehung zum sakramentalen Eheverständnis der katholischen Kirche

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Peter Fabritz

Kann man eine ungültige Ehe gültig machen? Ist Gültigkeit überhaupt ein Kriterium für die Ehe? Was sind die Voraussetzungen, um eine Ehe als gültig oder ungültig zu bezeichnen? Besitzt die Kirche eine rechtliche Gewalt über die Ehe, die es ihr erlaubt, eine Ehe als gültig oder ungültig zu klassifizieren? Die Ehe kommt zustande durch den Willen zur Ehe, den beiderseitigen Konsens der Partner. Keine Macht der Welt kann ihn auflösen. Der Konsens kann aber existent sein und dennoch ungültig, weil zum Zeitpunkt der Konsensabgabe ein Hindernis vorlag. Hier hat sich im 14. Jahrhundert ein Rechtsinstitut entwickelt, mit dem die Päpste ungültige Ehen Kraft apostolischer Autorität rückwirkend für gültig erklärt haben: Die sanatio in radice – die Heilung in der Wurzel. Die Arbeit versucht ausgehend vom römischen Recht über die Anfänge kirchlicher Ehedispens bis hin zur Gegenwart eine rechtshistorische Gesamtdarstellung der sanatio in radice vorzulegen.

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Resümee und Ausblick: Sanatio in radice und das sakramentale Eheverständnis der Kirche

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"So sehr wir aber von der Legitimität des in Frage stehenden kirchlichen Juris- diktionsaktes überzeugt sein können und müssen, so schwebt doch über den in- nern Grund seiner Rechtsgiltigkeit noch immer ein gewisses Dunkel, und es bleibt der theologischen Wissenschaft überlassen sich in der Aufklärung dessel- ben zu versuchen, während die Kirche ihrerseits im unmittelbaren und vollen Bewusstsein ihrer göttlichen Befugniß vorgeht."871 Diese ausgesprochen distan- zierte Wertung der sanatio in radice durch den Jesuiten Joseph Müllendorf aus dem Jahr 1879 ist insofern noch aktuell, als der "Auftrag", den Müllendorf er- teilt, nämlich das gewisse Dunkel und die "Aufklärung" der sanatio zu versu- chen, nicht erfüllt ist. Ein anderer Kanonist, August Knecht, sieht in seinem Handbuch von 1928 die Anfänge der sanatio in radice gleichfalls "im Dun- keln".872 Rudolf Ritter von Scherer spricht von einer "archaistisch subjectiv"873 gefärbten Auffassung, die Ursprünge der Heilung in der Wurzel bereits auf frü- hen Konzilien zu finden. Das aber ist das Anliegen der Kirchenrechtsgeschichte seit etwa der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts gewesen. Die Dispensgewalt der Kirche und die Autorität des Apostolischen Stuhles, der bis zum II. Vatika- nischen Konzil unice die sanatio in radice gewährt hat, hat man zu rechtfertigen versucht, indem die Anfänge der sanatio mit dem Beginn kirchlichen Ehedis- penshandelns gleichgesetzt worden sind. Eine solche Gleichsetzung ist nicht möglich und daher werden die Anfänge der sanatio in radice wohl auch...

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