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«Nach Galizien»

Entwicklung der Reiseliteratur am Beispiel der deutschsprachigen Reiseberichte vom 18. bis zum 21. Jahrhundert

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Anna de Berg

Einen Ort kann man in Gedichten, Briefen, Autobiographien, Essays oder Romanen beschreiben, aber eine Gattung ist dafür besonders geeignet: der Reisebericht. Die Geschichte der Reisebeschreibung zeigt, wie die zentralen Kategorien dieses literarischen Genres sich konstituieren und wandeln: die Authentizität der Darstellung, die Wahrnehmung des Fremden und des Eigenen sowie die Erinnerung an den Ort und an die Geschichte, die mit ihm verbunden ist. Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Berichte über Galizien und analysiert die literarischen und sozialen Faktoren, die auf diese Kategorien einwirken und damit das Bild der ehemaligen habsburgischen Provinz prägen.

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1. Einführung 7

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71. Einführung Galizien ist ein Name, der heute nur noch eine historische Bedeutung hat. Nicht wenige Menschen reagieren spontan, indem sie mit großem Interesse ausrufen: „Galizien? Das spanische Galizien?“ Andere aber erinnern sich an ein Land, das auf der europäischen Karte nicht mehr zu finden ist. Und auch „erinnern“ ist kein gutes Wort – die meisten, die sich an Galizien noch erinnern könnten, sind längst tot. Denn Galizien existiert seit fast einem Jahrhundert nicht mehr; jene habsbur- gische Provinz, deren geographischer, politischer und kultureller Existenz das Jahr 1918 ein Ende gesetzt hat. Diesem Galizien ist die vorliegende Arbeit ge- widmet. 1772 zogen drei Großmächte neue Grenzlinien auf der europäischen Land- karte. Preußen, Russland und Österreich begannen in diesem Jahr Polen aufzutei- len, das bis 1795 noch zweimal geteilt werden sollte, um sodann für mehr als 120 Jahre von der Karte zu verschwinden. Doch die österreichische Herrscherin Maria Theresia unterschrieb den Vertrag nur widerwillig: Neben dem „placet“ (ich bin einverstanden) stehen […] auf dem Übereinkommen die mahnenden Worte: „weil es so viele große und gelehrte Herren wollen. Wenn ich aber schon längst tot bin, wird man erfahren, was aus dieser Verletzung von allem, was bisher heilig und gerecht war, hervorgehen wird.“1 Die Tränen, die Maria Theresia beim Unterschreiben des ersten Teilungsvertrags vergossen haben soll, retteten Polen nicht: Österreich bekam aufgrund des ersten und des dritten Teilungsvertrags2 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 83 000 km² respektive 47 000 km...

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