Show Less

Alternative Freiverkehrssegmente im Kapitalmarktrecht

Zugleich ein Beitrag zur rechtsökonomischen Analyse emittentenbezogener Regulierung durch einen Marktveranstalter und zum System der Segmentierung

Series:

Philipp Storm

Alternative Freiverkehrssegmente (wie z. B. der Entry Standard der Deutschen Börse AG) stellen einen eigenständigen Segmenttypus im nationalen Kapitalmarktrecht dar, der in der nationalen Historie und auch in anderen Nationen mit entwickelten Kapitalmärkten seine Entsprechung findet. Die Arbeit geht zunächst den Charakteristika dieses Segmenttypus sowie der Frage nach, was aus ökonomischer Perspektive für den grundsätzlichen Ansatz alternativer Freiverkehrssegmente spricht, eine staatsferne, reduzierte Regulierung der notierten Emittenten in einem Teilbereich des Börsenmarktes anzubieten. Als Vorfrage zur Einordnung dieser Marktsegmente wird im Folgenden das Prinzip der Marktsegmentierung als eines der Wesensmerkmale des nationalen Kapitalmarktrechts offengelegt. Es stellt sich als ein System der Marktsegmente dar, dem bestimmte Begriffe, Prinzipien und Grundsätze innewohnen. Auf der Grundlage dieses systematischen Verständnisses wird der Frage nachgegangen, ob alternative Freiverkehrssegmente Börsen im materiellen und auch formellen Sinne sowie organisierte Märkte im Sinne der verschiedenen kapitalmarktrechtlichen Vorschriften darstellen und inwiefern diese Normen – insbesondere zur Informationshaftung für fehlerhafte Ad-hoc-Publizität – auf diesen Segmenttypus Anwendung finden sollten.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

D. Fazit 147

Extract

§ 4 Regulierungstheoretische Bewertung des Marktveranstalters als Regelungsinstanz 147 diese Position anders als etwa an sonstigen Verbrauchermärkten insbesondere deshalb richtig, weil hier eine erhebliche Expertise professioneller Marktteil- nehmer existiert und sich diese auch zugunsten der Privatanleger auswirkt762. Allein zur Bekämpfung einschlägiger Verhaltensanomalien erscheint daher eine staatliche Letztaufsicht mit restriktiven Eingriffskompetenzen und eine gesetzli- che Rahmenregulierung erforderlich und geboten. 4. Zwischenfazit Die Annahme grundsätzlich bestehender Urteilsfähigkeit seitens der Emittenten und Anleger führt somit im Ergebnis dazu, dass bei der Entscheidung für eine Notierung oder für eine Investition in einem notierten Anlageprodukt die Regu- lierung durch den Marktveranstalter funktional und interessengerichtet bewertet wird. Der Marktplatzbetreiber ist insbesondere auch durch den für ihn beste- henden Wettbewerb gegenüber anderen Handelsplätze daran interessiert, ent- sprechende Bedürfnisse der Parteien bei der Ausgestaltung der Regulierung zu berücksichtigen. Damit führt letztlich der Regulierungswettbewerb für den an der Finanzierungsbeziehung Beteiligten zu einem effizienten Kompromiss zwischen anlegerschützender Regulierung und angemessener Zugangserleichterung. D. Fazit Die Analyse der Regulierung durch den Marktveranstalter hat gezeigt, dass sowohl die Publizität als auch die Liquidität Grundvoraussetzungen für einen funktions- fähigen Marktmechanismus sind. Beide Elemente bedürfen aufgrund ihrer kosten- verursachenden Wirkung einer Regulierung, um so einem Marktversagen entge- genzuwirken. Alternative Freiverkehrssegmente verkörpern dabei einen Regulie- rungsansatz, der Elemente unmittelbar als auch mittelbar gesetzlicher sowie rein marktveranstalterischer Regulierung beinhaltet. Hierbei konnte ein transaktions- kostensenkendes Potential nachgewiesen werden. Aus der Marktprozesstheorie folgt, dass die Betroffenen die Regulierung...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.