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Der Mythos «Anno Neun»

Andreas Hofer und der Tiroler Volksaufstand von 1809 im Spiegel der Geschichtsschreibung (1810-2005)

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Florian Kern

Im Jahre 1809 kam es in Tirol zu einer Erhebung, die in einem Volksaufstand unter der Führung des Land- und Gastwirts sowie Passeirer Schützen Andreas Hofer mündete. Am Ende wurde der Tiroler Widerstand durch napoleonische Truppen niedergeschlagen, was blieb war die Erinnerung an die Personen und Ereignisse von 1809. Der Autor hat mit seiner Arbeit zu Andreas Hofer und dem Mythos Anno Neun ein Exempel für die Zeitbedingtheit von historischer Perspektive vorgelegt. Am Beispiel der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Andreas Hofer-Bildes der letzten 200 Jahre mit seinen politisch bedingten Brüchen und ideologischen Konjunkturen liefert der Verfasser einen wertvollen analysierenden Beitrag zu dem, was man neuerdings «Geschichtspolitik» nennt.

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9 Das „Neuner Jahr“ und der Nationalsozialismus

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9.1 Die vollständige Deformierung eines Geschichtsbildes Im Jahre 1938 kam es im Zuge eines Truppeneinmarsches zum „Anschluss“ Ös- terreichs an das nationalsozialistische Deutschland.452 Die Eigenständigkeit so- wie der Name des Landes verschwanden und wurden zunächst durch den Be- griff „Ostmark“, ab 1940 durch „Alpen- und Donau-Reichsgaue“ ersetzt. Somit hatte eine großdeutsche Vereinigung stattgefunden, wie sie nicht selten auch in Österreich und Tirol befürwortet worden war. Viele Österreicher wurden in die- sem Prozess nicht nur Opfer des nationalsozialistischen Regimes, sondern auch Täter für das Regime.453 Diese Tatsache betrifft auch die Darstellung von „Anno Neun“ durch manchen Historiker. So gilt es besonders den Südtiroler Historiker Anton Graf Bossi-Fedrigotti zu erwähnen, welchen man als aktiven Unterstützer und Träger nationalsozialistischer Politik einordnen kann. Zum Anlass der 130- Jahrfeier der Tiroler Erhebung erschien ein Leitartikel von ihm in der Zeitung „Innsbrucker Nachrichten“. Darin heißt es: „Stets bereit, den Sinn eines deut- schen Bekenntnisses eines Großen aus dem deutschen Volke innerhalb des Habsburgerreiches zu Nutz und Frommen des Hauses Habsburg auszudeuten, hat die von Wien beeinflusste Geschichtsschreibung aus dem Opfergang des Ti- roler Volkes von Anno Neun und dem Heldentode seines Führers ein völlig ein- seitiges Bekenntnis zum österreichischen Kaisergedanken zu konstruieren ver- sucht […]."454 Hierin äußert sich bereits zu Beginn die Habsburgfeindlichkeit des Tiroler Nationalsozialisten Bossi-Fedrigotti. Im selben Jahr war sein Buch über den „Kampf Österreichs um Großdeutschland“ erschienen, indem ebenfalls ein klares antihabsburgisches Bild der Erhebung gezeichnet...

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