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Der Mythos «Anno Neun»

Andreas Hofer und der Tiroler Volksaufstand von 1809 im Spiegel der Geschichtsschreibung (1810-2005)

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Florian Kern

Im Jahre 1809 kam es in Tirol zu einer Erhebung, die in einem Volksaufstand unter der Führung des Land- und Gastwirts sowie Passeirer Schützen Andreas Hofer mündete. Am Ende wurde der Tiroler Widerstand durch napoleonische Truppen niedergeschlagen, was blieb war die Erinnerung an die Personen und Ereignisse von 1809. Der Autor hat mit seiner Arbeit zu Andreas Hofer und dem Mythos Anno Neun ein Exempel für die Zeitbedingtheit von historischer Perspektive vorgelegt. Am Beispiel der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Andreas Hofer-Bildes der letzten 200 Jahre mit seinen politisch bedingten Brüchen und ideologischen Konjunkturen liefert der Verfasser einen wertvollen analysierenden Beitrag zu dem, was man neuerdings «Geschichtspolitik» nennt.

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8.2 Neuer Forschungsansatz und frischer wissenschaftlicher Output 120

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120 Das Hoferbild in der Zwischenkriegszeit dem tragischen Ausgang des Jahres 1809, für die Tiroler Heimat ihr Leben hin- gaben.“408 8.2 Neuer Forschungsansatz und frischer wissenschaftlicher Output Im Jahr 1932 war dagegen ein wissenschaftliches Geschichtswerk erschienen, dem es besondere Aufmerksamkeit zu widmen gilt. Es handelt sich dabei um die Arbeit von Rudolf Granichstaedten-Czerva. Der Jurist und Historiker hatte be- reits sechs Jahre zuvor eine Hofersche Familienbiographie409 verfasst. Mit sei- nem neueren Werk „Andreas Hofers alte Garde“ lieferte er nach 1909 einen wei- teren Fortschritt für die wissenschaftliche Hofer-Forschung. Dies geschah ers- tens, indem er die historischen Forschungsergebnisse von Rapp, Voltelini, Hirn, Weber etc. in objektiver Weise prüfte und zusammenfasste, zweitens da er einen neuen Forschungsansatz in der Geschichtsschreibung zu „Anno Neun“ verfolgte und drittens beschäftigte er sich als erster Historiker mit der „Massenbewegung“ 1809. Er entfernte sich somit von der vorherrschenden Konzentration der Ge- schichte auf die Führungsebene, insbesondere dem Oberkommandanten Andreas Hofer als Verkörperung des „Neuner Jahres“, und konzentrierte sich auch auf die teilnehmende Basis der Volkserhebung. Granichstaedten-Czerva verfolgte einen rechtsgeschichtlichen Ansatz. Er erforschte die Rechtmäßigkeit und Rah- menbedingungen der Erhebung u.a. auch aus staats- sowie verfassungsrechtli- cher Perspektive. Neben Heigels Arbeiten lassen sich Granichstaedten-Czervas Texte bis dato als parteiloseste Darstellung von „Anno Neun“ beurteilen. Die Erhebung von 1809 erachtet er als legitim, da die kriegerische Tätigkeit der Ti- roler erst mit der Kriegserklärung Österreichs eingesetzt habe. Die Phase der „Dritten Bergiselschlacht“ und den Aufstieg Hofers zum Oberkommandanten von...

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