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Das Bild der Frau in den Liedertexten des Flamenco

Adela Rabien

«Carmen» ist für uns der Inbegriff der andalusischen Zigeunerin. Entspricht sie dem Frauenbild, das wir in den Liedertexten des Flamenco finden? In dieser Arbeit werden zuerst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den «Mythos Flamenco» abgegrenzt. Es wird nach der Authentizität der Texte gefragt und erläutert, welche Probleme sich ergeben, bis ein Frauentext in eine Sammlung gelangt. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Frauenbilder in den Liedertexten tradiert werden: die Geliebte, die Ehefrau, die Mutter, die Schwiegermutter und die Frau allgemein – mit einigen überraschenden Erkenntnissen.

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3.4.4 Mögliche Gründe für die Absenz der Konstellation Mutter-Tochter 229

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229 Moreno es la cebada, moreno el trigo, moreno el espejito donde me miro. ("Magna Antología", p.45) Carrillo Alonso 148 Es ist somit ersichtlich, dass der erste Spiegel-Text nicht als Vertrautheit zwischen Mutter und Tochter zu begreifen ist, sondern als Ausdruck des Verlustes eines geliebten Menschen, und aus der alten Tradition heraus eines weiblichen Menschen. Damit stellt sich aber auch heraus, dass der Text ein "männlicher" Text ist und kein weiblicher. In das phallozentrische Weltbild des Flamenco fügt sich dieses Spiegel- Motiv nahtlos ein, auch wenn den Interpreten die Ursprünge nicht mehr bewußt sind. 3.4.4 Mögliche Gründe für die Absenz der Konstellation Mutter-Tochter Zusammenfassend kann man sagen, dass es an Texten in der alten literarischen Tradition mit der Konstellation der Mutter als Vertraute der Tochter im Flamenco fehlt. So oft die Mutter auch aus dem Blickwinkel des eigenen Sohnes verherrlicht wird, so sehr sie ihm Vertraute ist, so wenig hören wir die Worte der Tochter in diesem Sinne. Es gibt wohl Texte, die so neutral sind, dass sie sowohl eine Tochter wie auch der Sohn benutzen können: Das bedeutet, dass die Tochter sich des Blickwinkels des Mannes bemächtigt, um über die Mutter zu sprechen. Eine eigenständige "weibliche" Sicht auf die Mutter suchen wir vergebens. Für die Töchter sind die Mütter keine Ansprechpartnerinnen auf direktem Wege, es bleibt ihnen nur der Umweg über die männlich konnotierten Texte. Wenn aber in der literarischen Tradition bis ins...

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