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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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5.2 Historische Bestimmung der Bildungsidee 105

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105 Die historische Verortung des amerikanischen Bildungsromans soll im fol- genden Abschnitt aufzeigen, dass dieser unter anderen Bedingungen entstanden einen von dem deutschen und englischen Romantypus deutlich veränderten Le- bensweg des jugendlichen Protagonisten intendiert. 5.2 Historische Bestimmung der Bildungsidee Die ersten Siedler der Neuengland-Kolonien, die an Bord der Mayflower 1620 die „Neue Welt“ erreichen, sind strenggläubige Calvinisten, deren tiefe Religio- sität das Leben in den Kolonien maßgeblich bestimmt.479 Zwar lehnen die gemä- ßigten Puritaner, die in den folgenden Jahren England in Richtung der Kolonien verlassen, das Streben nach Wohlstand und weltlicher Macht nicht ab, sie for- dern aber auch die Unterordnung des Einzelnen unter die Gemeinschaft im Sin- ne des biblischen covenant.480 Die strenge puritanische Lebensführung prägt den Alltag der Siedler und ihren sozialen Zusammenhalt, wobei die Bibel der tägli- chen Erbauung in der Familie dient.481 Fiktionale Literatur ist bis Mitte des 18. Jahrhunderts in den puritanischen Siedlungen an der nordamerikanischen Künste kaum verbreitet,482 da sie keinen unmittelbaren nützlichen Mehrwert be- sitzt.483 Erzieherische Überlegungen sind immer religiös motiviert, daher haben diese keinesfalls die Selbstentfaltung des Einzelnen im Blick, sondern dienen der Einführung in einen religiös-orthodoxen Verhaltenskodex. Folglich sind „Voraussetzungen und Zielsetzung der Identitätsbildung ganz andere als im bür- gerlichen Zeitalter in Deutschland.“484 Es existiert eine Pluralität und friedliche Koexistenz ganz unterschiedlicher ethnischer Gruppen und Glaubensrichtungen, die einen bedeutenden Teil des gesellschaftlichen Reichtums ausmachen.485 Im Zuge der religiösen Liberalisierung erfolgt eine allgemeine...

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