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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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5.3.2 Die Figurenzeichnung im amerikanischen Bildungsroman 112

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112 des unschuldigen Subjekts eine ungerechten, undurchschaubare Gesellschaft ge- genübergestellt.527 Im Laufe seiner Entwicklung muss das Individuum jedoch schmerzhaft erkennen, dass die basale Dichotomie nicht zutreffend ist, es exis- tiert kein „’uncontaminated’ inner space where the individual can keep his or her self intact or free from the world.“528 Besonders in der Postmoderne erlangt das grundsätzliche Misstrauen ge- genüber kohärenten sozialen und personalen Strukturen neue Relevanz. Die problematische Bildung des Unschuldsmythos wird durch die spezifische Aus- prägung des amerikanischen Wesens im Roman weiter verstärkt, wie im folgen- den Abschnitt zu zeigen ist. 5.3.2 Die Figurenzeichnung im amerikanischen Bildungsroman Karen R. Tolchin sieht in der Schrift Part Blood, Part Ketchup. Coming of Age in American Literature and Film bestimmte Charakterzüge als konstitutiv für das Aufwachsen in Amerika an. Sie führt aus, dass sich zwischen der zeitgenös- sischen Behandlung des coming of age in der Fiktion und der Beurteilung des amerikanischen Bewusstseins im 19. Jahrhundert durch europäische Reisende bemerkenswerte Korrelationen ausmachen lassen.529 Hieraus leitet sie bestimmte Wesenszüge des amerikanischen Charakters ab, die ihrer Ansicht nach generati- onenübergreifend eine gewisse Stabilität und Kohärenz aufweisen. Schriftsteller wie Charles Dickens oder Anthony Trollope stellen in ihren Reiseaufzeichnungen zusammenfassend fest: „the nascent American character emerges as insecure, demanding, arrogant, selfish, myopic, and childish.“530 Die- se drastische Konzeptualisierung erscheint vor dem Hintergrund der unsicheren und gefährlichen ersten Jahrzehnte in den Kolonien weniger überraschend. Zu jener Zeit der „democratic expansion...

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