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«Und am Morgen Freude»

Die Texte unserer Gedanken und Empfindungen- 20 Thesen zur Textlinguistik nach Wilhelm von Humboldt am Beispiel von Psalm 4

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Karin Lange

Humboldts texttheoretischer Ansatz, dessen Einfluß auf die moderne (Text-)Linguistik größer ist als bisher wahrgenommen, wird im ersten Teil dieses Bandes erstmals zusammenhängend nachgewiesen. Einige der Gedanken Humboldts zu Sprache und Sprechen weisen über unseren heutigen Stand noch hinaus, z. B. seine Betonung emotiver Aspekte der Kommunikation. Der zweite Teil, ein Beitrag zur Psalmenexegese, veranschaulicht und vertieft die gewonnenen Thesen zur Textlinguistik anhand einer Interpretation von Psalm 4. Dabei überschneiden sich Literatur- und Sprachwissenschaft. Die interdisziplinäre Arbeit bietet einen gut verständlichen Einblick in Inhalte und Methoden beider Teilgebiete: der Textlinguistik wie der alttestamentlichen Exegese. Fast beiläufig und wie von selbst berühren die Untersuchungen den ethischen Aspekt von Sprache, etwa in der Frage: Inwieweit beeinflussen unsere Texte im Kopf unser Handeln?

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2. „Hall und Gegenhall, Anrede und Erwiderung” 43

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2. „Hall und Gegenhall, Anrede und Erwiderung” 2.1 Wilhelm von Humboldt und der „Geist” der Sprache Es läßt sich kaum ein Gesichtspunkt der modernen Sprachwissenschaft denken, der in den Arbeiten Wilhelm von Humboldts nicht zumindest angelegt wäre. Vielmehr noch ist sein Forschungsprojekt - den „Bau” bzw. „den Organismus” und den „Gebrauch” der Sprachen zu untersuchen1 - bis heute nicht ausge- schöpft, und Fragen, die er offenließ, die Sprachursprungsfrage etwa, sind auch heute nicht klar beantwortet. Wie kommt es aber, daß sich diese Einsicht erst gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts verstärkt durchsetzt, in Form von sorgfältigen Monographien oder Übersetzungen?2 Die im 19. Jahrhundert aufblühende und sehr erfolgreiche historisch- vergleichende Sprachforschung konnte die Verwandtschaftsverhältnisse der indogermanischen bzw. indoeuropäischen Sprachen nachweisen und wurde von Humboldt unterstützt. Dieses genealogische Vorgehen, das die Vorstufen unserer heutigen Sprachen untersuchte, betrifft jedoch nur einen Aspekt dessen, was Humboldt unter dem „Bau” der Sprachen zusammenfaßte. Daneben umfaßte sein Forschungsprogramm monographische Untersuchungen der einzelnen Sprachen, die das bisherige unsystematische und zergliedernde Vorgehen bereits durch ein strukturell-funktionelles ergänzten, sowie einzelner sprachlicher Kategorien, „z.B. des Verbum durch alle Sprachen hindurch.”3 Versuche einer Klassifizie- rung der Sprachen lehnte er letztlich ab.4 1 Humboldt, Sprachstudium, III 6. Vgl. zum Folgenden Trabant, Sprache, 229f. 2 Z.B. Tilman Borsche, Donatella Di Cesare, Helmut Gipper, Hans-Werner Scharf, Jürgen Trabant (vgl. v.a. 2.2.4/5; 2.3.2; 2.3.3.1). Die italienische Übersetzung und Kommentie- rung der Einleitung zum Kawi-Werk durch Donatella Di Cesare hat internationale Be-...

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