Show Less

«Und am Morgen Freude»

Die Texte unserer Gedanken und Empfindungen- 20 Thesen zur Textlinguistik nach Wilhelm von Humboldt am Beispiel von Psalm 4

Series:

Karin Lange

Humboldts texttheoretischer Ansatz, dessen Einfluß auf die moderne (Text-)Linguistik größer ist als bisher wahrgenommen, wird im ersten Teil dieses Bandes erstmals zusammenhängend nachgewiesen. Einige der Gedanken Humboldts zu Sprache und Sprechen weisen über unseren heutigen Stand noch hinaus, z. B. seine Betonung emotiver Aspekte der Kommunikation. Der zweite Teil, ein Beitrag zur Psalmenexegese, veranschaulicht und vertieft die gewonnenen Thesen zur Textlinguistik anhand einer Interpretation von Psalm 4. Dabei überschneiden sich Literatur- und Sprachwissenschaft. Die interdisziplinäre Arbeit bietet einen gut verständlichen Einblick in Inhalte und Methoden beider Teilgebiete: der Textlinguistik wie der alttestamentlichen Exegese. Fast beiläufig und wie von selbst berühren die Untersuchungen den ethischen Aspekt von Sprache, etwa in der Frage: Inwieweit beeinflussen unsere Texte im Kopf unser Handeln?

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3. „Sprecht in eurem Herzen” 201

Extract

3. „Sprecht in eurem Herzen” 3.1 Der Blick auf die ‚Endgestalt’ alttestamentlicher Texte - ein Paradigmenwechsel? 3.1.1 Genesis und Exodus oder die „großen Erzählungen”1 [Es] passt doch kein Buch so gut, als die Bibel dazu [i.e. in ‚exotische’ Spra- chen übersetzt zu werden], die auf eine wahrhaft wundervolle Weise ge- schichtliche, dichterische und philosophische Bücher vereinigt, und dadurch für ein Volk an die Stelle einer ganzen Literatur tritt, ohne noch der Treflich- keit und Erhabenheit des Einzelnen, und des Geistes des einfachsten Alterthums zu erwähnen, welcher den Menschen unmittelbar an seinen Ursprung, die Natur und die Gottheit, rückt. Man muss nicht denken, dass je- ne Sprachen [z.B. die mexikanische] dies auch nur entfernt wiederzugeben unfähig wären. [...] Man sollte daher nur auf möglichst vollkommene und treue Uebersetzungen und zwar der ganzen Bibel denken, da gerade die Mannigfaltigkeit des Inhalts und Styls der biblischen Schriften so fruchtbar auf das Gemüth wirkt, und sie zugleich zu einem so wichtigen Bildungsmittel macht. In dieser Hinsicht ist der neuerlich von der Englischen Bibelgesell- schaft gefasste Entschluss, die apokryphischen Bücher auszuschliessen und diese Ausschliessung auch bei den Bibelgesellschaften andrer Länder zu bewirken, keineswegs zu billigen. [Die Preußische Hauptbibelgesellschaft nahm diesen Beschluß nicht an.] Es könnte nur als ein bedenklicher Schritt erscheinen, einen Theil der Bibel willkürlich dem Volke entziehen zu wollen, wenn nicht glücklicherweise vorauszusehen wäre, dass dieser Versuch doch niemals diesen Erfolg haben wird.2 Humboldts Charakterisierung biblischer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.