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Das Juditbuch im Wien des 17. und 18. Jahrhunderts

Exegese – Predigt – Musik – Theater – Bildende Kunst

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Elisabeth Birnbaum

Die Studie erschließt aus umfangreichem Quellenmaterial des 17. und 18. Jahrhunderts bibelwissenschaftliche und künstlerische Interpretationen des Juditbuches im historischen und kulturellen Umfeld Wiens. Sie klärt unter anderem den Zusammenhang der besonderen Beliebtheit des Juditbuches mit den zahlreichen kriegs- und seuchenbedingten Notsituationen der Stadt. Ebenso wird die Verbindung zwischen der einseitig tugendhaften Stilisierung Judits und der Thronbesteigung Maria Theresias verdeutlicht. Die Veröffentlichung dreier bislang ungedruckter Oratorienlibretti rundet den Band ab.

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Judit im Oratorium 151

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Judit im Oratorium Vorbemerkungen Entstehung des Oratoriums Im 17. Jahrhundert entstand das Oratorium. Der Begriff kommt von oratorio („Betsaal“) und meint den Raum, in dem sich die von Filippo Neri 1552 gegrün- dete Weltpriestergemeinschaft Congregazione dell’ oratorio in Rom regelmäßig versammelte, um geistliche Übungen abzuhalten. Zwischen Gebeten, Lesungen und Predigt wurden Lauden in Dialogform gesungen. Daraus entwickelte sich das Oratorium, dessen musikalische Wurzeln allerdings nach neuerer Forschung in dialogischen, geistlichen Madrigalen lagen.305 Das Oratorium verbreitete sich rasch in ganz Italien, ab 1660 konstituierte sich seine Form endgültig. Es war zunächst eine rein katholische Musikform. Oratorium als „Oper der Fastenzeit“ Im letzten Drittel des Jahrhunderts wurde es, nicht zuletzt dank des kunstsinni- gen und selbst komponierenden Kaisers Leopold I. auch in Wien beliebt. Es fun- gierte als Ersatz für die in der vorösterlichen Fastenzeit verbotene Oper. Ab 1660 brachte man alljährlich zumindest am Gründonnerstag und am Karfreitag ein Oratorium oder eine Rappresentazione sacra zur Aufführung, später spielte man in der Fastenzeit sogar wöchentlich Oratorien, deren Titel aber nicht immer gesichert sind. Aufführungsorte waren vor allem die Kapelle der Kaiserin- Witwe Eleonora (am Gründonnerstag) und die kaiserliche Kapelle (am Karfrei- tag). Aber auch in Klöstern wie dem Ursulinen-Kloster oder dem Kloster zur Himmelpforte wurden im Beisein der Majestäten Werke vorgetragen. Die Sujets der Oratorien entnahm man vorwiegend dem Alten Testament (vor allem David, Salomo, Judit, Adam und Abrahams Opfer306). Daneben zog man auch Gleich- nisse des Neuen...

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