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Das Mittelalter in Romanen für Jugendliche

Historische Jugendliteratur und Identitätsbildung

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Melanie Rossi

Das Mittelalter stößt seit Jahren auf reges öffentliches Interesse und erfreut sich auch in der Jugendliteratur großer Beliebtheit. Dieser Band analysiert an zahlreichen Textbeispielen aus Romanen für Jugendliche die Darstellung von Themen und Motiven mittelalterlichen Ursprungs, historisch bedingter Problemlagen sowie ihrer möglichen Auswirkungen auf den Einzelnen. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage nach dem Einfluss der jugendliterarischen Darstellung des Mittelalters auf die jugendliche Entwicklung einer Vorstellung von dieser Epoche. An ihrem Beispiel wird so auch die didaktische Relevanz geschichtserzählender Jugendliteratur deutlich, indem zugleich nach ihrer Wirkung auf die historisch vermittelte Identitätsbildung gefragt wird. Die Diskussion einschlägiger Positionen zur historischen Jugendliteratur und ihren Wirkungsmöglichkeiten begleitet die Darstellung. In die Untersuchung fließen fortlaufend konkrete Hinweise zur Behandlung der Texte im Deutsch- und Geschichtsunterricht ein.

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1 Das Mittelalter in Romanen für Jugendliche – Grundlagen der Arbeit 11

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11 Erst wenn wir merken, wie fremd uns die vergangenen Zeiten sind, wie fremd Petrus und Paulus, die Apostel, die Märtyrer und ihre Verfolger, erst dann merken wir, dass sie doch zu uns gehören. Dann ist das Lernen der Geschichte ein Wiedererkennen unserer selbst im fremden Antlitz. 1 1 Das Mittelalter in Romanen für Jugendliche – Grundlagen der Arbeit 1.1 Methodische Vorüberlegungen 1.1.1 „Überall ist Mittelalter“ – die Aktualität einer „finsteren Epoche“ Geschichte als ein „Wiedererkennen unserer selbst im fremden Antlitz“ – damit be- schreibt der Mediävist Hermann Heimpel ein didaktisches Anliegen: ein Bewusstsein von der eigenen Herkunft, der eigenen Bedingtheit und des eigenen Standorts in den Dimensionen Zeit, Raum und Gesellschaft entwickeln und bestimmen lernen, indem wir unsere Identität reflektieren. Dabei impliziert Heimpels Aussage zwei Prämissen: die von der Geschichtlichkeit des Menschen und dass der Mensch sich selbst in dieser Geschichte wiedererkennen kann. Was ist Geschichte? – Mit Carlos Kölbl kann diese Frage im Hinblick auf Thema und Aufgabe vorliegender Untersuchung, wie sie im Kapitel 1.1.2 näher beschrieben wird, in dreifacher Weise beantwortet werden: Geschichte ist erstens das, was gesche- hen ist. Sie ist – zweitens – die Erzählung solcher geschehener Begebenheiten. Und sie ist drittens die Kenntnis der geschehenen Begebenheiten, die „Geschichtskunde“.2 Ge- schichte dient als Argument in politischen Auseinandersetzungen, als Wissensspeicher gibt sie zu Hoffnungen und Befürchtungen Anlass, prädisponiert damit bestimmte Handlungen – und konstituiert unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung.3 Diesen Gedanken ergänzt Dietrich Harth mit Blick auf das Verh...

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