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Die Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum

Chindasvinths Gesetzgebung im Spiegel der westgotischen Rechtsentwicklung

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Andreas Kimmelmann

Dieses Buch befasst sich mit der Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum, namentlich der Gesetzgebung des westgotischen Königs Chindasvinth in diesem Bereich. Die Besonderheiten in Chindasvinths umsichtigen Folterregelungen werden auf ihre gesetzgeberischen Motive sowie eventuelle Vorbilder untersucht. Die Untersuchung zeigt vor allem eine weitgehende gesetzgeberische Eigenleistung Chindasvinths, die sich unabhängig von möglichen Vorbildern auf seine eigenen gesetzgeberischen und politischen Intentionen gründet.

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Kapitel 3: Die Folter in der Lex Visigothorum: Chindasvinths Gesetzgebung, ihre Vorbilder und ihre Weiterentwicklung 55

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55 Kapitel 3: Die Folter in der Lex Visigothorum: Chindasvinths Gesetzgebung, ihre Vorbilder und ihre Weiterentwicklung Obwohl im vorherigen Kapitel ein chronologisches Profil der Entstehung der westgotischen Gesetze gezeichnet wurde, erscheint es, was die Regelungen zur Folter angeht, sinnvoll, direkt im Liber Iudiciorum zu beginnen. Dies deswegen, weil sich die wichtigsten und markantesten Regelungen zur Folter, wie wir se- hen werden, in einer – wie DAHN201 es nennt – „Folterordnung“ Chindasvinths im ersten Titel des sechsten Buches befinden. DAHN bezieht diesen Terminus jedoch nur auf LVis. VI, 1, 2.202 Betrachtet man die Regelungen jedoch näher, sind es eigentlich zwei “Folterordnungen”: LVis. VI, 1, 2 regelt die Foltervoraus- setzungen für Freie und LVis. VI, 1, 5 für Sklaven und Freigelassene.203 Daher bietet es sich an, die Folterregelungen im Codex Euricianus, im Breviarium Ala- rici und in der Antiqua im Zuge des Entwicklungsprofils dieser Regelungen zu beleuchten. I. LVis. VI, 1, 2: Die erste zentrale „Folterordnung“ Chindasvinths zu den Foltervoraussetzungen für Freie 1. Überblick über LVis. VI und insbesondere LVis. VI, 1 Das sechste Buch des Liber Iudiciorum (Liber Sextus) ist überschrieben mit „De isceleribus et tormentis“204, was WOHLHAUPTER mit „Von Verbrechen und Strafen“205 übersetzt. Dem Inhalt des Buches wird man jedoch m.E. eher gerecht, wenn man „tormentis“ hier nicht mit „Strafen“, sondern mit „Foltern“ übersetzt (vgl. die Begrifflichkeiten im ersten Kapitel). Denn gerade im ersten Titel werden die Voraussetzungen der Folter ganz allgemein behandelt („De accusationibus criminum“)206. In den restlichen Titeln finden sich dann Vorschriften zu...

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