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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Birthe Haak: Die Externsteine und das Germanenklischee im aktuellen Sachbuch 165

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Die Externsteine und das Germanenklischee im aktuellen Sachbuch – Anmerkungen zu „Die Germanen. Geheimnisvolle Völker aus dem Norden“ Birthe Haak Neben Ausstellungen, Dokumentarfilmen und Presseberichterstattung stellen populärwissenschaftliche Sachbücher eines der wesentlichen Medien dar, die das Bild vor- und frühgeschichtlicher Epochen in der Öffentlichkeit prägen. Wenn sich interessierte Laien derzeit über die Germanen informieren möchten, so ist nicht unwahrscheinlich, dass sie zu einem 2008 im Theiss-Verlag erschie- nenen Titel greifen: „Die Germanen – geheimnisvolle Völker aus dem Norden“ von Ernst KÜNZL. Daher ist es eine Betrachtung wert, welches Bild hier den Le- sern vermittelt wird. Unter diesem Gesichtspunkt wäre eine Rezension des ge- samten Buches lohnend; im Folgenden soll sich angesichts des Themas dieses Bandes jedoch auf zwei Aspekte beschränkt werden: Die Gestaltung des Buch- einbandes und das Kapitel zur Religion. Im Werbetext des Verlags auf der Rückseite des Schutzumschlags wird ver- sprochen: „In Wort und Bild präsentiert dieser einmalige Band unsere geheimnisvollen Vorfah- ren – wissenschaftlich fundiert und jenseits aller Klischees.“ (KÜNZL 2008) Der Name des Autoren als ehemaliger Direktor der römischen Abteilung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), Mainz, unterstreicht den Seriösitätsanspruch. Gleichzeitig macht der zitierte Satz einen Spagat deutlich: Die Identifizierung der Germanen als „unsere Vorfahren“, verbunden mit dem Spannung verheißenden Prädikat „geheimnisvoll“ bedient just wieder jene Kli- schees, auf die verzichtet werden sollte. In diesem Sinne ist auch das eigentliche Titelbild gestaltet (Abb. 43): Zen- trales Bildmotiv ist ein Schwert, konkret eine Spatha...

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