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Bilder Indiens in der deutschen Literatur

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Edited By Manfred Durzak

Die Vorträge eines internationalen Symposiums, das unter dem Titel «Indien in den deutschsprachigen Literaturen – Wahrnehmungsperspektiven» im Herbst 2009 an der Deutschabteilung der Banaras Hindu University in Varanasi veranstaltet wurde, stehen im Mittelpunkt dieses Bandes. Gleichzeitig wurde das Themenspektrum durch eine Reihe von zusätzlichen Studien ergänzt, die zentrale Auseinandersetzungen deutscher Autoren mit der Kultur und Gegenwart Indiens aus interkultureller Perspektive behandeln. Das literarische Untersuchungsfeld reicht von Autoren der literarischen Tradition wie Alfred Döblin, Mircea Eliade oder Elias Canetti bis hin zu Autoren der Gegenwart wie Josef Winkler, Ilija Trojanow, Ulla Lenze oder Thorsten Becker. Deutschsprachige Literaturwissenschaftler kommen zu Wort, aber auch namhafte indische Kritiker und Philologen sind an dem Band beteiligt. Es entsteht solcherart ein vielperspektivisches Bild Indiens, das das reiche kulturelle Erbe Indiens registriert, aber durchaus auch auf die Schattenseiten des Subkontinents aufmerksam macht.

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Hanna Engelmeier: „Einmal sah ich...“ – Varanasi und die Poetik Josef Winklers - 61

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„Einmal sah ich...“ – Varanasi und die Poetik Josef Winklers von Hanna Engelmeier (Berlin) 1) Einführung Ich habe oft versucht, mich mit der Gestalt meiner Mutter und der Gestalt meines Vaters auseinanderzusetzen, peilend zwischen Auf- ruhr und Unterwerfung. Nie habe ich das Wesen dieser beiden Por- talfiguren meines Lebens fassen und deuten können. Bei ihrem fast gleichzeitigen Tod sah ich, wie tief entfremdet ich ihnen war. Die Trauer, die mich überkam, galt nicht ihnen, denn sie kannte ich kaum, die Trauer galt dem Versäumten, das meine Kindheit und Ju- gend mit gähnender Leere umgeben hatte. Die Trauer galt der Er- kenntnis eines gänzlich missglückten Versuchs von Zusammenle- ben, in dem die Mitglieder einer Familie ein paar Jahrzehnte lang beieinander ausgeharrt hatten. (Weiss 1964: 7.)1 Diese Zeilen, mit denen Peter Weiss seine Erzählung Abschied von den Eltern beginnt, könnten Teil von Josef Winklers Requiem für einen Vater sein, das im Obertitel Roppon- gi2 heißt. Dieser Text stellt einen verwickelten Erinnerungsprozess dar: Der Ich-Erzähler erfährt in der österreichischen Botschaft in Tokio vom Tod seines Vaters in Kärnten, zu dem er sein ganzes Leben lang ein gespanntes Verhältnis hatte. Diese Nachricht löst eine Reihe von Erinnerungen und Überlegungen aus, deren Fluchtpunkt die Indienbesuche des Erzählers bilden. Die Zeilen von Peter Weiss stellen literarische Ahnen von Josef Winklers Annäherung an die Figuren dar, deren Abweisung eines sensitiven Sohnes über Jahrzehnte Motor seines literarischen Schaffens gewesen ist. Ein...

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