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Eine Musikschule als Heilsbringer für die deutsche Musik und Nation?

Eine Einführung in Richard Wagners Bericht an Seine Majestät den König Ludwig II. von Bayern über eine in München zu errichtende deutsche Musikschule und die Konservatoriumsdiskussion um 1865

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Nils Koschwitz

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das damalige System der Ausbildung von Musikern stark in Frage gestellt. Auch Richard Wagner beteiligte sich daran. Er erhoffte sich 1865 durch den Bau einer deutschen Musikschule in München eine deutliche Verbesserung der musikalischen Zustände. Die von ihm geplante Musikschule sollte nicht nur neue Wege in der Ausbildung für Sänger gehen, sondern auch die Entwicklung eines deutschen Aufführungsstils vorantreiben. Mit Hilfe der geplanten Ausbildungsanstalt galt es den vermeintlich zu starken musikalischen Einfluss Italiens und Frankreichs zurückzudrängen. Ziel dieses Buches ist es, Wagners Vorstellungen über den Aufbau und die Ziele einer Musikschule darzustellen und zu erläutern. Um den Bericht besser aus seiner Entstehungszeit heraus verstehen zu können, werden die Aussagen Wagners mit den Auffassungen seiner Zeitgenossen in Beziehung gesetzt.

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3. Die Konservatoriumsdiskussion um 1865 43

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43 3. Die Konservatoriumsdiskussion um 1865 3.1 Kritik an den musikalischen Zuständen Wagners Ansichten wurden häufig von seinen Zeitgenossen geteilt. Der Musikwissenschaftler und Komponist Hermann Zopff vertrat z.B. wie Wagner die Auffassung, dass es bei der Reproduktion von Musikwerken noch große Mängel gebe: „Was nützt das Componiren der schönsten Werke, wenn sie nicht so ausgeführt werden, wie sie sich der Componist gedacht hat, oder herausgerissen aus dem Zusammenhange, oder auch gar nicht, was beiläufig übrigens gewöhnlich lange nicht so schlimm ist, wie entstellte, verzerrte Vorführungen derselben.“1 Auch fand Zopff, dass die Aufführungstradition klassischer Werke weitest- gehend verloren gegangen sei. Bei Mozart, Haydn und Beethoven wäre zwar teilweise noch die Art der Wiedergabe überliefert, aber bei Werken von Bach, Gluck und anderen Komponisten älterer Epochen müsste der richtige Vortrag erst wieder geschaffen werden.2 Auch der Chordirigent und Musikschriftsteller Heinrich Porges hatte Bedenken gegen die Art und Weise der damaligen Aufführungen Beethovenscher Werke: „der ächte Beethoven wird durch dies Alles nicht lebendig werden, dieser hat nichts gemein mit der Afterkunst, die jetzt überall getrieben wird.“3 Unter den zahlreichen Menschen, die um 1865 die Meinung Wagners ganz oder partiell teilten, waren jedoch auch Gegner Wagners.4 Allerdings werteten sie die Werke Wagners und der Neudeutschen Schule als ein Indiz für die be- schädigte Lage der deutschen Musikkultur. Die „subjektivste Willkür“ würde in deren Werken zum „Maaße des Schönen“ erhoben und Kunstgesetze m...

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