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Hegels Beitrag zur Bildungsdiskussion unter besonderer Berücksichtigung seiner Rechtsphilosophie

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Ellen Kraft

Verfolgt man die gegenwärtige pädagogische und politische Debatte, dann ist augenfällig, dass der Begriff der Bildung noch immer zu einem zentralen Leitbegriff gehört. Gleichwohl droht heute das Verständnis von Bildung auf abfragbare Kenntnisse verengt zu werden. Eine zunehmend empirisch ausgerichtete Pädagogik scheint das philosophische Moment in ihren Überlegungen zu vernachlässigen. Mit Hegels Konzeption von Bildung wird an ein ganzheitliches Verständnis vom gebildeten Menschen erinnert und dieses in die heutige Diskussion eingebracht. Hegel thematisiert das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft, beleuchtet die Rolle der Institutionen von Familie, Gesellschaft und Staat im Bildungsprozess des Menschen und hat mit seiner Auffassung von Bildung uns Heutigen erstaunlich viel zu sagen.

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5. Bildung als Verwirklichung des Menschseins in Gesellschaft, Geschichte und Kultur – Annahmen über Wesen und Bestimmung des Menschen 25

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25 5. Bildung als Verwirklichung des Menschseins in Gesellschaft, Geschichte und Kultur – Annahmen über Wesen und Bestimmung des Menschen 5.1. Die Dialektik von Allgemeinheit und Besonderheit im Wesen des Menschen Nicht nur Hegels Bildungstheorie, sondern auch seine Annahmen über den Menschen sind wesenhaft verknüpft mit seiner Philosophie des Geistes. Für Hegel ist der Mensch schlechthin das „geistige“ Wesen. Er versteht Geist dabei nicht als etwas, das zum natürlichen Sein des Menschen „hinzukommt“, sondern Geist ist das den Menschen in seinem ganzen Sein Durchgreifende und Über- greifende. Schon in der Natürlichkeit und Leiblichkeit des Menschen ist das Geistige angelegt.85 Geist ist überindividueller Natur und qualitativ etwas Ande- res als Natur. Deswegen greifen auch anthropologische Ansätze, die den Men- schen rein von der Biologie her zu bestimmen versuchen, zu kurz.86 Fetscher spricht in diesem Zusammenhang vom „Blitz des Bewußtseins“, der Natur und Geist trennt, den Menschen aus dem Zusammenhang mit dem Natürlichen „her- ausfallen“ lässt87, Nicolin nennt es eine „spannungsvolle Einheit“, die Geist und Natur im Menschen eingehen88, Gadamer spricht davon, dass der Mensch durch den „Bruch“ mit dem Natürlichen und Unmittelbaren gekennzeichnet ist, der ihm durch die geistige, vernünftige Seite seines Wesens „zugemutet“ ist.89 Diese Ansätze und Bilder, die zur Beschreibung der menschlichen Daseinsweise ver- wendet werden, kennzeichnen ein Verhältnis der Spannung, das der Mensch „aushalten“ muss. Qua seiner Geistigkeit hat der Mensch „Freiheit“. Er ist nicht – wie das Tier – auf ein bestimmtes Verhalten festgelegt. Hegel bestimmt die Freiheit...

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