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Übersetzen und Interpretation

Die Herausbildung der Übersetzungswissenschaft als eigenständige wissenschaftliche Disziplin im deutschen Sprachraum von 1960 bis 2000

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Holger Siever

Diese Arbeit verfolgt drei miteinander eng verbundene Ziele: Zum einen soll die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Übersetzungs wissenschaft als eigenständige Wissenschaftsdisziplin im Zeitraum von 1960 bis 2000 im deutschen Sprachraum nachgezeichnet werden. Zum anderen soll die Abfolge der verschiedenen Übersetzungstheorien in diesem Zeitraum mit der Theorieentwicklung in den übrigen Wissenschaften korreliert werden. Zu diesem Zweck werden die Übersetzungs theorien anhand ihrer grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zu Paradigmen zusammengefasst. Diese beiden Teilziele dienen einem übergeordneten Zweck: Das Ergebnis der Untersuchung mündet in der Darlegung einer integrativen, semiotisch und interpretationstheoretisch fundierten Theorie des Übersetzens.

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2. Frühe Anregungen aus dem Ausland -30

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30 2. Frühe Anregungen aus dem Ausland 2.1 Einführung Der vorliegenden Arbeit ist ein zeitlicher und räumlicher Rahmen gesetzt. Die Entwicklung der Übersetzungswissenschaft setzt jedoch natürlich nicht unvermit- telt 1960 ein, genauso wenig wie sie mit dem Jahr 2000 plötzlich aufhört. Vielmehr gibt es »Vorläufer« und »Vordenker«, auf deren Arbeiten spätere Autoren aufbauen. In diesem Kapitel beschränke ich mich darauf, nur diejenigen Übersetzungstheore- tiker aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland zu behandeln, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz intensiv rezipiert wurden und die für die weitere Ent- wicklung der deutschsprachigen Übersetzungswissenschaft von besonderer Bedeu- tung sind. Dabei sind zwei Phasen zu unterscheiden, die ungefähr mit der fünften bzw. sechsten Dekade des letzten Jahrhunderts zusammenfallen. Während die aus- gewählten Autoren der 1950er Jahre als »Vorläufer« die – vor allem linguistischen – Grundlagen für die modernen Übersetzungstheorien gelegt haben, können die ausgewählten Autoren der 1960er Jahre teilweise bereits als »Vordenker« einer sich herausbildenden eigenständigen Übersetzungswissenschaft gelten. In den 1950er Jahren war das Übersetzungsdenken noch sehr stark geprägt von „literary scholars who believed in the vague post-Romantic notion of the inherent presence of a »spirit« or »essence« of a text that would almost always elude the translation process“ (Bassnett 1978, 1). Gegen diesen »essentialistischen Zeitgeist« haben sich jene Linguisten gewandt, die glaubten, mit dem Fortschritt in der maschinengestützten Übersetzungsforschung könnte bald jedes Übersetzungs- problem gelöst werden (Basnett 1978, 1). Diese Hoffnung sollte sich...

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