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Public Diplomacy im Westen

Die Presseagentur "Panorama DDR</I> informiert das Ausland

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Thomas Brünner

Die Presseagentur Panorama DDR sollte in den 1960er Jahren die ausländische Presse mit Artikeln über Politik und «Errungenschaften» der DDR versorgen. Damit gehörte sie zur Auslandsinformation, deren Hauptziel es war, die diplomatische Anerkennung des SED-Staats durch den Westen zu erreichen. In der öffentlichen Meinung westlicher Staaten sollte ein positives DDR-Bild erzeugt werden, um so politischen Druck auf die Regierungen auszuüben. Diese hier als Public Diplomacy verstandene Strategie hatte jedoch enge Grenzen. Anhand eines Vergleichs von Panorama-Veröffentlichungen in Frankreich und Großbritannien zwischen 1964 und 1973 zeigt diese Studie, dass die Praxis der Auslandsinformation ihrem Anspruch nicht genügen konnte – nicht zuletzt, weil sich die Propagandisten der Partei ideologisch selbst im Weg standen.

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1 Public Diplomacy und der »Königsweg durch die Hintertür« 11

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1 Public Diplomacy und der »Königsweg durch die Hintertür« Das vom SED-eigenen Dietz-Verlag herausgegebene »Kleine Politische Wörterbuch« enthält auch in seiner achten Auflage von 1988 noch das Stichwort »Propaganda«, obwohl der Begriff im deutschen Sprachgebrauch seit der Zeit des Nationalsozialis- mus negativ konnotiert ist. Aus der Sicht überzeugter Marxisten-Leninisten jedoch war Propaganda mit den entsprechenden, »richtigen« Inhalten durchaus positiv und sogar notwendig, denn schließlich stelle sie auf der Basis der von Marx und Lenin for- mulierten »objektiven Entwicklungsgesetze« nur die »systematische Verbreitung und gründliche Erläuterung politischer, philosophischer, ökonomischer, historischer, na- turwissenschaftlicher, technischer u. a. wissenschaftlicher Lehren und Ideen«¹ sicher und helfe damit der Arbeiterklasse, ihre historische Mission zu erfüllen. Damit war die marxistisch-leninistische streng von der »imperialistischen« Propaganda zu unter- scheiden, denn diese wiederum hatte zum Zweck, auf dem Weg einer Manipulation des Bewusstseins der Menschen »vor dem Volk die wirklichen Ziele kapitalistischer Herrschaft zu verschleiern«.² Hier klingt deutlich an, was gerade vor dem Hintergrund des Kalten Krieges mit seiner bipolarenWeltordnung von beiden Seiten wahrgenommen wurde: Propaganda war nur dann Propaganda im negativen Sinn, wenn sie vom Gegner kam. Wie volatil auch die höchsten Parteigremien der SED mit dem Begriff umgingen, zeigt seine auf das Ausland bezogene Verwendung in den entsprechenden Akten: Anfang der 1960er Jahre wurde in der DDR »Auslandspropaganda« von dem neutraleren »Auslandsinfor- mation« abgelöst, während sich der erste Begriff später dann wiederum mit negativer Bedeutung auf die dementsprechenden Aktivitäten des westlichen Gegners bezog...

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