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Die Philosophie und die UNESCO

Mit einem Nachwort von Jacques Poulain- Im Auftrag der Deutschen UNESCO-Kommission aus dem Französischen übersetzt von Hans Jörg Sandkühler

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Patrice Vermeren

«Es gibt keine UNESCO ohne Philosophie» – so die programmatische Erklärung dieser 1945 mit dem Ziel dauerhaften Friedens entstandenen Weltorganisation. Ohne sich auf eine bestimmte Philosophie festzulegen, versteht sie sich als eine ‘philosophische Institution’: Sie will ihren Beitrag leisten durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken. Es handelt sich um eine Zielsetzung, die mit Mitteln, die selbst philosophischer Natur sind, zur praktischen Anwendung einer Philosophie des Rechts, der Menschenrechte und der Universalgeschichte verpflichtet. In dieser Perspektive hat der Autor eine Geschichte der intellektuellen und institutionellen Beziehungen zwischen der UNESCO und der Philosophie seit 1945 verfasst.

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III

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Der letzte Raum eines Zusammenklangs der Ideen Was ist internationale kulturelle Zusammenarbeit? Auf diese Frage stellt die Gründung der UNESCO keine ganz eindeutige Antwort dar. Gewiss – sie bedeutet einen Bruch mit der vom Völkerbund repräsentierten Kon- zeption. Die UNESCO entscheidet sich auch gegen Paul Valérys «Gesell- schaft der Geister» – d.h. gegen das Konzept einer freien Assoziation von Intellektuellen, wie es das Organisationsideal des Institut International de Coopération Intellectuelle18 inspiriert hatte –, und konstituiert sich als As- soziation von Staaten, die sich um den Ausgang aus dem Zweiten Welt- krieg bemühen, und zwar in Form einer Politik der Erziehung und Bil- dung, der Wissenschaft und der Kultur, deren ausdrückliches Ziel Frieden und Sicherheit sind. Doch die Verfassung verdankt sich bekannterweise einer geschickten Ausklammerung des Dilemmas zwischen der Beschwö- rung der Bildung als Mittel, mit dem das Ziel ‹Frieden› erreichbar ist, und der Erarbeitung eines eigenen Paradigmas zur positiven Ausrichtung des moralischen und geistigen Handelns. Es stellte sich die Frage: Bedarf es einer Philosophie für die UNESCO, und wenn ja, welcher? Ein evolutionärer Humanismus für die UNESCO? Julian Huxley, der erste Generaldirektor, von seiner Ausbildung und sei- nem Beruf her Biologe, war davon überzeugt, die UNESCO könne auf eine eigene Philosophie nicht verzichten; sie benötige «eine Arbeitshypo- these, die Ausdruck der den menschlichen Ansprüchen entsprechenden Ziele und Zwecke sei; angesichts der verschiedenen zu lösenden Proble- me müsse ein bestimmter Standpunkt vorgeschrieben oder zumindest an- geregt werden» – freilich...

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