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Die «Reichsuniversität Posen» 1941-1945

Vorgeschichte, nationalsozialistische Gründung, Widerstand und polnischer Neubeginn

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Helmut Schaller

Posen und seine Hochschuleinrichtungen waren seit den polnischen Teilungen Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder Ausgangspunkt deutsch-polnischer Auseinandersetzungen gewesen, wobei von polnischer Seite stets das gewichtige Argument einer Mehrheit der polnischen Bevölkerung in dieser Region angeführt wurde, die sich immer wieder gegen intensive Germanisierungsbestrebungen zu wehren hatte. Diese erreichten in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ihren Höhepunkt, zugleich bedeuteten sie aber auch den tiefsten Punkt der deutsch-polnischen Beziehungen. Mit dieser Abhandlung wird über die bisherigen Darstellungen der «Reichsuniversität Posen» hinausgehend die Vorgeschichte dieser ausschließlich dem Nationalsozialismus verpflichteten Hochschule dargestellt. Dabei handelt es sich vor allem um die 1903 bis 1919 wirkende «Königliche Akademie in Posen» sowie die zunächst von 1919 bis 1939 bestehende polnische Universität Posen. Für die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in einem abschließenden Kapitel die Entstehung und die weitere Entwicklung der polnischen «Adam-Mickiewicz-Universität» in Posen sowie ihre nationale und internationale Bedeutung behandelt.

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I. Wissenschaftliche Einrichtungen und Vereinigungenin Posen vor 1918 - 45

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45 I. Wissenschaftliche Einrichtungen und Vereinigungen in Posen vor 1918 Wie sehr die slawischen Völker, ihre Sprachen und Literaturen um die Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert die deutsche Öffentlichkeit beschäftigten, zeigt vor allem die Forderung des damals führenden Berliner Philosophen und Pä- dagogen Friedrich Paulsen (1846-1908), Posen zu einer weiteren Universität im damaligen Königreich Preussen zu verhelfen und dort auch einen Schwer- punkt für slawische Studien einzurichten. Posen sollte sowohl für die deut- sche als auch für die polnische Osteuropaforschung eine grundlegende Rolle spielen. Bereits im Jahre 968 war dort ein von Magdeburg abhängiges Bistum gegründet worden und neben dem polnischen Fürstenschloss entstand 1255 im Zuge der deutschen Ostkolonisation eine deutsche Kolonialstadt. Mit dem Sieg der Gegenreformation ging der deutsche Einfluss in Posen verloren, bis die Stadt mit der zweiten polnischen Teilung im Jahre 1793 und dem Anschluss an Preußen wieder zur Geltung kam. 1807 kam Posen an das von Napoleon gebildete Herzogtum Warschau, 1815 wurde es nach dem Wiener Kongress wiederum Preußen zugesprochen, diesmal als „Großherzogtum Posen“ mit dem preußischen König an der Spitze der Verwaltung. Der Novemberaufstand der Polen im Jahre 1830 hatte zur Folge, dass Fürst Radziwill als Oberpräsi- dent durch Flottwell ersetzt wurde, der eine ausgesprochen polenfeindliche Innenpolitik verfolgte. 1832 wurde das Deutsche erstmals im Großherzogtum Posen Verwaltungssprache, während 1840 der Gebrauch des Polnischen nach dem Regierungsanritt von König Friedrich Wilhelm IV, von Preu...

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