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Ovide Decrolys Pädagogik im Vergleich zur heutigen lebensbezogenen Pädagogik

Mit besonderem Blick auf den Lebensbezogenen Ansatz von Norbert Huppertz

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Rosemarie Koelblin

Die Arbeit beschreibt Zielsetzungen, Werte und Normen der lebensbezogenen Pädagogik. Dabei wird der historische Wandel von der Zeit der Reformpädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur aktuellen Lebenspädagogik des 21. Jahrhunderts aufgezeigt. Der belgische Arzt, Psychologe und Pädagoge Ovide Decroly gründete 1907 die École pour la vie par la vie, in der er seine Erfahrungen aus der Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern mit Lerndefiziten auf die normalen Erziehungsverhältnisse übertrug. Die von Decroly entwickelte Méthode Decroly auf der Basis von Anschauung und Erzieherischen Spielen zur Förderung der intellektuellen Fähigkeiten des Kindes wird heute noch an öffentlichen Schulen in Brüssel, Paris und Barcelona erfolgreich praktiziert. Im Mittelpunkt dieser Pädagogik steht das Kind mit seinen individuellen Bedürfnissen und Interessen, die in gleicher Weise noch heute von der aktuellen Lebenspädagogik vertreten werden. Die in diesem Buch dargestellte lebensbezogene Pädagogik ist aufgrund ihrer individualisierenden Perspektive und infolge ihrer klar ausgewiesenen Bildungsorientierung aktueller denn je. Die pädagogischen Ziele orientieren sich an der Wissenschaftsposition des von Norbert Huppertz begründeten Partial-Holismus. Bildungsinhalte und das Vermitteln von Orientierungswissen sowie die damit verbundene Internalisierung von Werten sind ausführlich beschrieben und anhand praktischer Beispiele aufgezeigt.

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I. Einleitung 13

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13 I. Einleitung Als ich zum ersten Mal in einer pädagogischen Fachzeitschrift eine interessante Berichterstattung über die lebensbezogene Pädagogik des Ovide Decroly und über das lebendige Schulleben in der von ihm gegründeten „École pour la vie par la vie“ gelesen hatte, war ich ebenso angetan von dieser Pädagogik wie mein Lehrerkollegium. Auf Anfrage beim „Centre d’études decroliennes“ erhielten wir eine freundliche Einladung zum Besuch der École Decroly, Bruxelles. In den Pfingstferien 1994 starteten wir unsere Bildungsreise nach Brüssel, um einen persönlichen Eindruck über das Schulleben und die dort praktizierte „Méthode Decroly“ zu gewinnen. Bereits die äußere Situation der Schule, die ihre Schüler bis zur Bildungsstufe des „baccalauréat“ führt, war beeindruckend: an einem Waldrand gelegen, um- geben von einem „Naturrahmen“ mit Wiese, Schulgarten, Sportplatz, mit kleinen Werkstätten für das handwerkliche und künstlerische Tätigsein („l’activité de l’élève à l’expression concrète et abstracte“). Erstaunlich war die Disziplin während der intensiven Beobachtungsphase („observation“), mit der in allen Klassenstufen der Unterricht begonnen und anschließend durch Verknüpfung und Vernetzung mit früher erworbenen Kenntnissen weitergeführt wurde („asso- ciation“). Dabei hat uns die bunte Vielfalt der „Erzieherischen Spiele“ und die Ausdauer, mit der sie von den Schülern der „École primaire“ praktiziert wurden, ebenso fasziniert wie die nach „Helfersystemen“ und sozialen Regeln organisier- te Schülermitverwaltung, die durch Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme auf das wirkliche Leben für die Zukunft vorbereitet: „École pour...

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