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Ovide Decrolys Pädagogik im Vergleich zur heutigen lebensbezogenen Pädagogik

Mit besonderem Blick auf den Lebensbezogenen Ansatz von Norbert Huppertz

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Rosemarie Koelblin

Die Arbeit beschreibt Zielsetzungen, Werte und Normen der lebensbezogenen Pädagogik. Dabei wird der historische Wandel von der Zeit der Reformpädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur aktuellen Lebenspädagogik des 21. Jahrhunderts aufgezeigt. Der belgische Arzt, Psychologe und Pädagoge Ovide Decroly gründete 1907 die École pour la vie par la vie, in der er seine Erfahrungen aus der Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern mit Lerndefiziten auf die normalen Erziehungsverhältnisse übertrug. Die von Decroly entwickelte Méthode Decroly auf der Basis von Anschauung und Erzieherischen Spielen zur Förderung der intellektuellen Fähigkeiten des Kindes wird heute noch an öffentlichen Schulen in Brüssel, Paris und Barcelona erfolgreich praktiziert. Im Mittelpunkt dieser Pädagogik steht das Kind mit seinen individuellen Bedürfnissen und Interessen, die in gleicher Weise noch heute von der aktuellen Lebenspädagogik vertreten werden. Die in diesem Buch dargestellte lebensbezogene Pädagogik ist aufgrund ihrer individualisierenden Perspektive und infolge ihrer klar ausgewiesenen Bildungsorientierung aktueller denn je. Die pädagogischen Ziele orientieren sich an der Wissenschaftsposition des von Norbert Huppertz begründeten Partial-Holismus. Bildungsinhalte und das Vermitteln von Orientierungswissen sowie die damit verbundene Internalisierung von Werten sind ausführlich beschrieben und anhand praktischer Beispiele aufgezeigt.

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III. Der Lebensbegriff 33

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33 III. Der Lebensbegriff Um zu einer effektiven vergleichenden Darstellung und einer möglichst detaillier- ten Interpretation der Lebenspädagogik von Norbert Huppertz und Ovide Decroly zu gelangen, möchte ich zunächst eine grundlegende Auseinandersetzung mit der kulturgeschichtlichen Entwicklung des „Lebensbegriffs“ voranstellen. „Leben“ als ein unergründliches und rätselhaftes Urphänomen ist – entgegen al- len mechanischen Kräften – etwas Organisches, etwas Einzigartiges und umfassend auf das Ganze gerichtet. „Philosophie ist nicht nur Sache des Denkens, sondern auch Sache des Lebens.“58 Das im 20. Jahrhundert neu erwachte lebensphilosophi- sche Interesse zeigt auf, wie „besonders im Hellenismus, aber immer wieder teil- weise auch in der Neuzeit die Philosophie als Lebensform verstanden worden ist“ – auch im Zusammenhang mit der „ontologischen Dimension des Lebens.“59 Der „Lebensbegriff“ wird, wie nachfolgend aufgezeigt werden soll, zu einem „Inn- begriff aller Lebensvorgänge“, zu einem Zentralbegriff der Lebensphilosophie.60 1. Allgemeine Definition und kulturgeschichtliche Entwicklung Nach Platon und Aristoteles ist das Staunen, (gr. „thaumázein“) der Ursprung der Philosophie. Das Staunen ist es, das die Menschen dazu bringt, über sich selbst, über die Welt und über Raum und Zeit hinausgehend zu reflektieren. Das Unerwartete, Erstaunliche will verstanden, erforscht und verinnerlicht werden. Das Staunen wird zum Hinterfragen, zur Motivation, nach der Wahrheit zu su- chen, nach neuem Wissen und Weisheit zu streben: Philosophie (gr. „phílos- sophía“), die Liebe zur Weisheit. Auch heute, in einer Zeit der großen Unsicherheiten, der Katastrophen und Diskontinuitäten, stellen sich letzte ungeklärte Fragen zur menschlichen Existenz – die...

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