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Konzertprogramme

Das Kernprodukt als Chance und Herausforderung für Konzerthäuser

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Dorothee Kalbhenn

Bei der Suche nach Wegen aus der Krise des klassischen Konzerts wird dessen eigentliches Kernprodukt Konzertprogramm selten als Lösung ausgewiesen. Es steht bislang vielmehr unter dem Verdacht, mit immer gleichem Schema und Repertoire vor allem eines zu sein: ewig gestrig. Grund genug, gerade solche Konzertprogramme auf zeitgemäße Potenziale zu untersuchen, die in traditionellem Rahmen stattfinden. Aus einem von Kulturpessimismus befreiten, aber kritischen Blickwinkel beleuchtet das Buch die Programme heutiger Konzerthäuser in ständigem Abgleich mit der historischen Gestalt von Programmen. Qualitative Saisonanalysen sowie Interviews mit den Intendanten von Gewandhaus zu Leipzig, Kölner Philharmonie und Elbphilharmonie Hamburg nähern sich Antworten auf die Frage: Was kann das Kernprodukt?

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1 Einleitung 19

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19 1 Einleitung Wie passt es zusammen, wenn eine in der Tradition verankerte Institution wie das Gewandhaus zu Leipzig im Jahr 2009 für eine spannende Programmplanung ausgezeichnet wird1, andererseits gerade Tradition2 als das für die Lähmung des Konzertlebens zentrale Element gilt? Das klassische Konzert wird begriffen als Teil der traditionell geprägten Hochkulturszene, als Relikt einer körperfeindlichen Kultur, Klassik allgemein als Ausdruck eines traditionellen Lebensstils, von dem sich jüngere Menschen abgrenzen wollen3, kurzum: als eine konservierte Einrichtung, deren durch das Bildungsbürgertum des 19. Jahrhunderts geschaffenen Parameter nicht mehr zur Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zu passen scheinen. Gerade der öffentlich subventionierte Konzertbetrieb steht sinnbildlich für diese Rückwärtsgewandt- heit: „Eine Schwierigkeit bei der Erneuerung des Konzertwesens ist, dass viele Institutio- nen durch ihre Architektur, ihren Gestus, ihre Produktions- und Organisationsfor- men sowie die den Häusern eingeschriebenen Ritualen [sic] eng mit der Variation des Konzerts um 1900 verbunden sind, sie in gewisser Weise institutionalisiert ver- körpern […].“4 Damit gerät gerade die Institution Konzerthaus unter Verdacht, den Anschluss an die heutige Gesellschaft zu verpassen. Als Analogon zur Institution betrifft dieser Verdacht des Anachronismus‘ notwendigerweise auch deren Inhalt und Kern, id est: Konzertprogramme. In der Tat werden ein sich kaum änderndes Repertoire und insgesamt standardisierte Konzertprogramme5 kritisiert. 1 Vgl. Pressemitteilung Gewandhaus 1 / Anhang H1: Bestes Programm der Saison 2008 / 2009. Sämtliche Anhänge liegen in einem gesonderten Band vor, der in der Bibliothek der Leuphana Universität Lüneburg öffentlich...

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