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Gegenseitige Verfremdungen

Theater als kritischer Erfahrungsraum im Stoffwechsel zwischen Bühne und Musik

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Tore Vagn Lid

Die Möglichkeit des Theaters als Raum für kritische Erfahrungen geht über die Erweiterung des Theaters als musikalischen Erfahrungsraum, d.h. als ein musikalisch gedachtes und strukturiertes Theater, hinaus. Damit vereint sich in diesem Buch die Frage nach Kritik und Musik in einem Begriff von Musikdramaturgie, der hier über seine traditionellen Konnotationen erweitert wird. Auf der Suche nach den Möglichkeiten eines zeitgenössischen Musiktheaters dringt der Autor hinter die oftmals vagen Begriffe und Praxisformen von postmodernem «Recycling» und «Crossover» vor. Die zentrale Frage nach der «Brauchbarkeit Brechts» anhand Brechts und Eislers Die Maßnahme stellt einen Versuch dar, einen besonderen Impuls für das heutige Theater produktiv zu rekonstruieren. Mittels Kritik an Adornos «absoluter Musik» auf der einen und Stanislawskis «absolutem Theater» auf der anderen Seite, wird eine Erklärung in der Ablagerung zweier institutioneller Schwerkräfte gesucht.

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TEIL II A: ‚Musik ohne Fenster‘ Zur Kritik von Adornos ästhetischem ‚Blick‘ 143

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143 Teil II A: ‚Musik ohne Fenster‘: Zur Kritik von Adornos ästhetischem ‚Blick‘ Je selbstvergessener das Werk vorgegebener und gerade darum unverbindlicher Formkategorien sich entäußert, um so gewisser stößt es auf verbindliche Formkate- gorien im eigenen Gefüge: darin bewahrheitet sich die Rede von der Monade. (Adorno)288 Kapitel 1 Der Begriff als „Übergriff“ Adorno und die negative Dialektik der Aufklärung Kaum ein ästhetisch-philosophischer Beitrag hat in jüngerer Zeit eine größere Bedeutung gehabt als die ästhetische Theorie von Theodor W. Adorno. Antihe- gelianisch im Inhalt, jedoch eben hegelianisch im Umfang, wird hier die ästheti- sche Landschaft aus einem Blickwinkel betrachtet und analysiert, die – an den Durchbruch einer zeitgenössischen modernen Kunst anknüpfend – weit in die Kunstgeschichte zurückgreift. Das Ergebnis ist eine monumentale ästhetische Theorie – ein normativer Blick auf die Kunst und auf die Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft, der weit über die Betrachtungsweise der Fachphiloso- phen hinausreicht. Adornos Konzeption von Kunst und Kunstgeschichte – und damit seine normative „Evaluierung" eines zeitgenössischen Kunstfelds – lässt sich allerdings nicht unabhängig von seinen geschichts-philosophischen und so- zialphilosophischen Grundlagen verstehen. Die theoretische und erfahrungsge- mäße Voraussetzung für das, was von der Rezeption oft als Adornos defensive ‚Zivilisationskritik’ benannt wurde, gründet sich auf die Idee einer ,negativen Dialektik’ der Aufklärung, d.h. auf einer geschichtsphilosophischen These, die – von Adornos/Horkheimers 1944 erschienener „Dialektik der Aufklärung" aus- gehend – eine entscheidende Bedeutung für die ‘Kritische Theorie’ der soge- nannten Frankfurter Schule spielen wird. 1.1...

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